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WELTWEITES WERK


Flutkatastrophen-Hilfsmaßnahmen in Thailand –
Bericht vom 11. Januar 2005



Von Hanna

Seit der Flutkatastrophe vom 26. Dezember in Südasien, die 150.000 Menschenleben forderte, haben sich Zentren von The Family International in Thailand gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und Freiwilligen darum bemüht, materielle Hilfe zu bringen und die Betroffenen mit moralischer Unterstützung und Gesprächen zu ermutigen. Abgesehen von den landesweiten Anstrengungen, Hilfsgüter zu sammeln und zu verteilen, arbeitet ein The Family International Team direkt von Phuket aus, in ganz Thailand sind dort die größten Schäden vorzufinden und höchsten Todeszahlen zu beziffern.

Nach unserer Ankunft in Phuket geht es zunächst zum Rathaus, welches als Kommunikations- und Koordinationszentrum für regionale Nothilfsmaßnahmen dient. Anschlagbretter voller Photos mit Vermissten flanieren die Zufahrt zum Rathaus. Innerhalb des Gebäudes kommt uns eine Atmosphäre der Verzweiflung und Ungewissheit entgegen, Menschen sind auf der Suche nach ihren vermissten Angehörigen und Rettungsmannschaften machen sich bereit, Überlebende zu finden – oder vielmehr die toten Körper derjenigen, die im Tsunami umkamen.

Unseren ersten Kontakt haben wir mit einem schwedischen Touristen, der gerade mit seiner Familie in Phuket Urlaub machte, als sich die Flutwelle über den Strand wälzte. Er überlebte als einzigster und ist frenetisch auf der Suche nach seinem jüngsten Sohn. Am Tag nach dem Desaster tauchte sein Sohn auf einer Liste von Verletzten auf, war aber in den umliegenden Spitälern bisher nicht ausfindig zu machen. Mittlerweile war er völlig erschöpft und brauchte dringend Ermutigung. Also beten wir für ihn, wobei er sich bei uns dafür bedankt, dass wir ihm die Hoffnung und den Mut gaben, seine Suche fortzuführen

Als die Bezirksverwaltung davon erfährt, dass wir Thai, Englisch und diverse andere Sprachen beherrschen, werden wir augenblicklich darum gebeten, für jene verzweifelten Ausländer zu übersetzen, die auf der Suche nach Angehörigen oder Informationen sind. Das Gebäude wimmelt nur so von Menschen, viele sind – so wie wir – extra hergekommen, um zu helfen. Freiwillige werden registriert und örtlichen Krisengebieten zugeteilt, und es ist schon beeindruckend zu sehen, wie Menschen aus allen sozialen Schichten hier zusammenfinden und spontan Zeit und Mühe investieren, den vielen Betroffenen zu helfen. Die Zusammenarbeit und Aufopferung, die hier bei den Einheimischen gleichwie den Ausländern zu beobachten ist, ist schon bemerkenswert.

Nach einigen Stunden Aufenthalt im Rathaus machen wir uns auf dem Weg zu einem der Krankenhäuser in Phuket, zu dem viele Überlebende zur Behandlung geschickt wurden. Wir haben eine Gitarre dabei und verbringen viele Stunden damit, von einem Krankenhausbett zum nächsten zu gehen; wir reden mit den Patienten, beten und singen für sie und ermutigen die Verletzten und die gebrochenen Herzens sind.

Es ist schon erschütternd, die Berichte jener zu hören, die den Tsunami durchlebten. Viele mussten mit ansehen, wie Ehepartner, Kinder und Freunde von den Fluten fortgerissen wurden. Eine Frau, die wir hier kennen lernen, hat am ganzen Körper blaue Flecken und Bandagen, sie verlor ihren Ehemann und ihre fünf Jahre alte Tochter. Unter Tränen schildert sie uns das Geschehene. Während sie krampfhaft meine Hand umklammert, spreche ich für sie ein Gebet, auf dass Gott sie ganz besonders trösten und stärken möge. Ein anderer Überlebender, dessen Frau und beiden Söhne den Tod gefunden haben, beichtet uns, wie ihn die Sorgen, Schuldgefühle und die Verzweiflung beinahe in den Wahnsinn treiben. Wir nehmen uns die Zeit, eine Weile mit ihm zu reden und geben ihm ermutigende Lektüre, in die er sich vertiefen kann, wann immer diese Gefühle drohen, ihn zu überwältigen.

Wir lernen ein thailändisches Paar kennen, das auf einer Baustelle in einer Gegend tätig war, wo die schlimmsten Verwüstungen stattfanden. All ihre Freunde kamen uns Leben, ihr Hab und Gut ging verloren, dennoch sind sie dankbar, einfach am Leben zu sein. Wir singen den beiden die thailändische Version von Peace in the Midst of a Storm (Innerer Friede inmitten des Sturmes) und beten mit ihnen, auf dass der Herr ihnen die Kraft geben möge, eine neue Existenz aufzubauen.

Wir treffen auf ein junges Mädchen, das auf dem Krankenhausbett sitzt und einfach nur vor sich hinstarrt, immer noch im Schockzustand nach ihrem wohl traumatischen Erlebnis. Sie übernachtete gerade in den Personalunterkünften einer der Ferienanlagen auf der Phi Phi Insel, als die Wellen kamen. Das Gebäude fiel über sie zusammen. Erst sechs Stunden später war es den Rettungskräften möglich, sie aus den Trümmern zu ziehen – eine der sehr wenigen Überlebenden der Urlaubsanlage. Die Tortur ist jetzt zwei Tage her, und sie kann immer noch nicht ihre Beine benutzen. Seit all dies passiert ist, sind wir die ersten, die ihr einen Besuch abstatten. Das Mädchen ist uns für die Gespräche und die Ermutigung wirklich sehr dankbar. Bevor es weitergeht, beten wir noch mit ihr, und als wir ihr zum Abschied zuwinken, lächelt sie das erste Mal, seit wir sie kennengelernt haben.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zur Phang Nga Provinz, drei Stunden nördlich von Phuket. Unser Freund aus Bangkok setzte uns mit Khun Tip in Verbindung, die Besitzerin einer Ferienanlage bei Khao Lak, die am Morgen des 26. Dezember völlig zerstört wurde. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Dr. Seri, Arzt im hiesigen Krankenhaus, versuchte sie die Verteilung von Hilfsgütern in die Katastrophengebiete zu organisieren, hatte aber bis dato wenig in der Form von Nahrungsmitteln, Kleidung und anderen Gütern zusammen bekommen können. Viele der Einheimischen waren zu den nahegelegenen Hügeln geflohen und weigerten sich aus Angst vor weiteren Wellen, zurückzukehren.

Vor unserer Reise nach Phuket hatten wir zwei Tage lang alle unsere Freunde und Kontakte in Bangkok mobilisiert, die daraufhin Hilfsgüter wie Kleidung, Schuhe, Konservendosen, Trinkwasser, Decken und Toilettenartikel sammelten, und sie uns dann per Lastwagen nachschickten. Als die zum Bersten gefüllten LKWs ankommen, schließen Khun Tip and Dr. Seri sich uns mit ihren zwei Lastern an, und so machen wir uns mit einem Konvoi von insgesamt sieben Lastwagen auf dem Weg nach Ban Nam Kem, einem Fischerdorf, das zu neunzig Prozent zerstört wurde und Tausende Tote zu beklagen hat. Einige der Hilfsgüter werden dort verteilt, zusammen mit Traktaten und Postern, die eine aufbauende Botschaft des Trostes und der Ermutigung beinhalten.

Anschließend geht es mit einer Fähre weiter zur Insel Goh Koh Kow. Die dortigen Ferienanlagen wurden vollständig zerstört, viele davon verschwanden einfach im Indischen Ozean.

Als wir auf der Insel ankommen, begegnen wir einem Mann, wie er vor seinem Haus – eines der wenigen, das noch steht – im Sand nach der Kleidung seiner Familie gräbt, offensichtlich um zu retten, was noch zu retten ist. Er erklärt uns, dass von seiner Habe nicht mehr viel übrig ist, aber dennoch froh sei, niemanden seiner Angehörigen verloren zu haben. Für die dargebotenen Nahrungsmittel, die Kleidung und die Schuhe ist er uns demnach überaus dankbar.

Die meisten Dorfbewohner nahmen in einem kleinen Schulhaus einige Kilometer landeinwärts Zuflucht. Als wir mit den Hilfsgütern dort ankommen, werden wir sogleich von den Einheimischen umringt, die dankbar die Reissäcke, Kleidung und andere Hilfsgüter entgegennehmen.

Ein Teil unseres Teams besuchte auch ein Notlager, das auf dem Gelände der Bezirksregierung errichtet wurde. 3000 Flüchtlinge der Flutwelle leben dort in kleinen Zelten und selbstgezimmerten Behausungen. Unter ihnen befinden sich viele Kinder, die durch die Katastrophe zu Waisen wurden. Es wurde eine Anlaufstelle für Waisenkinder und eine Kinderkrippe eingesetzt, beide Einrichtungen baten uns um permanente Hilfe und Assistenz.

Innerhalb von nur sechs Tagen war es uns möglich, Verwundete in fünf Spitälern zu besuchen und den von der Katastrophe Betroffenen insgesamt sieben LKW-Ladungen mit Hilfsgütern zu bringen. Trinkwasser, Laken, Schuhe, Kleidung, Toilettenartikel, Seife, Insektenschutzmittel, Fertiggerichte, Reis, Töpfe, Pfannen, Ventilatoren, Bücher, Taschen, Koffer und noch vieles mehr. Auch verteilten wir 3000 Stücke aufbauender Lektüre, und wohl kaum zu zählen waren unsere persönlichen Worte des Trostes, unser ermutigendes Lächeln und unseren aufrichtigen Gebete für all jene, die es wahrlich gebrauchen konnten. Über 100 Menschen beteten mit uns, Gottes Liebe durch Jesus und seine Verheißung des ewigen Lebens zu empfangen.

Der Bedarf an Hilfe ist hier immer noch monumental und die völlige Erholung der Region wird wohl einige Jahre in Anspruch nehmen. Abgesehen von den rein physischen Maßnahmen, dem Beisetzen der Toten und dem Wiederaufbau von Heimen und Existenzen, steht die noch viel größere und schwierigere Aufgabe bevor, gebrochene Herzen zu heilen und Hoffnung für jene wiederherzustellen, deren Leben so plötzlich aus der Normalität gerissen wurden. All eure Gebete für unsere Anstrengungen – und noch wichtiger: für all die, denen wir hier helfen – werden dringend benötigt und schätzen wir doch sehr.

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