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| Ban Nam Ken: Der extreme Kontrast zwischen dem Panorama im Hintergrund und der völligen Zerstörung vor uns. |
Von Debbie
1. Tag unserer Hilfsmaßnahmen zwei Tage nach der Katastrophe:
Ich sehe mich mit Tod, Verzweiflung und Zerstörung konfrontiert, während ich mich umgeben von Trümmern im ehemaligen Fischerdorf Ban Nam Kem befinde, völlig zerstört am 26. Dezember von einer Flutwelle, die 150.000 Menschenleben im Einzugsgebiet des Indischen Ozeans forderte.
In diesem Dorf alleine wurden 3000 bis 5000 Menschen für tot erklärt und Hunderte sind noch vermisst. Alle 5000 Zimmer des nahegelegenen Khao Lak Ferienortes waren während dieser Hochsaison vollständig besetzt, die örtliche Zahl wird sich also demnach noch verdoppeln oder verdreifachen.
Der Tsunami, mit Wellen »so hoch wie eine Kokospalme« gemäß der Beschreibung eines überlebenden Dorfbewohners wurde durch ein Seebeben (9.0 auf der Richterskala) unter dem Indischen Ozean ausgelöst, nicht allzu weit von Indonesiens nördlichster Provinz Aceh entfernt.
Spielsachen liegen überall verstreut, ich kann mir die Kinder vorstellen, die hier wohl spielten, als sich die Wassermassen mit all ihrer Wucht ihren Weg bahnten. Man sieht einen Kinderschuh in einem Swimmingpool treiben, während sich das trübe Ozeanwasser langsam zurückzieht. Der Anblick einer PC-Tastatur und einer Maus ernüchtern mich um einiges mehr. Ich hätte auch an jenem Computer sitzen können, als die Flutwellen hereinbrachen.
Jenseits des Strandes ist die See ruhig und der Himmel klar ein Panorama von atemberaubender Schönheit, welche eine Unmenge von Touristen nach Khao Lak lockte und Ban Nam Ken in den vergangenen Jahren einen Boom bescherte, der Einkaufszentren, ein Kino, neue Geschäfte und Wohnhäuser mit sich brachte. Der Kontrast zwischen der Szenerie im Hintergrund und der vor mir liegenden völligen Zerstörung, kann krasser gar nicht sein.
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| Das »Wunderhaus« von Ban Nam Kem inmitten der Zerstörung. |
Nur ein einziges Haus steht im Dorf noch. Khun Anantra, der Hausbesitzer, berichtet mir, dass der zweite Stock als Fluchtmöglichkeit für drei Nachbarkinder diente, deren Eltern mit dem Fischerboot grad auf See waren. Die Kinder und einige andere flüchteten kurzerhand nach oben und wurden verschont.
Wir sehen Polizeimannschaften mit Suchhunden, die sich nach Überlebenden und Leichen umsehen. Ein strenger Geruch liegt in der Luft verfaulte Nahrungsmittel oder Tierkadaver hoffen wir zumindestens. Unangenehm, aber noch erträglich, anders als der Verwesungsgeruch der aufgebahrten Toten im Buddhistischen Tempel, den wir gerade passierten. Dennoch nehmen wir unseren Mundschutz lieber nicht ab.
Nachdem wir den Schaden begutachtet haben, beladen gemeinsam mit uns zwölf weitere Freiwillige von Family International einen Lastwagen mit Soforthilfe und machen uns auf dem Weg zum Takua Pa Krankenhaus, das mit Verletzten aus allen Nähten platzt. Einige von uns helfen in der Kinderstation aus, um die Kinder aufzumuntern und überlebenden Angehörigen Mut zu zu sprechen. Andere von uns tun das gleiche auf anderen Krankenstationen und in den Wartezimmern. Ein jeder von uns muss sich anstrengen, die Tränen zurückzuhalten, als wir von einer Tragödie nach der anderen hören, wie z.B. Angehörige von den Fluten abgeschnitten und weggerissen wurden. Wir beten mit jedem dieser Verzweifelten doch Gottes Kraft, Hoffnung und inneren Frieden zu finden, um über das Trauma hinweg zu kommen.
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| Doch endlich ein Lächeln: Debbie ermutigt den 10 Jahre alten Mackie, der seine gesamte Familie verloren hat. |
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| Ranu, Altenpflegerin, berichtet, wie sie eine Seniorin buchstäblich durch den Tsunami-Albtraum hindurch trug, bis dieselbe letztendlich in ihren Armen starb. |
Wir kümmern uns um die Obdachlosen, die nun im Keller des Spitals kampieren. Es werden Übersetzer benötigt; da die meisten von uns Thai, Englisch und andere Sprachen sprechen können, bieten wir unsere Hilfe an.
Am Ende eines langen Tages machen wir uns über Khao Lak auf den Weg nach Hause und sind von dem unglaublichen Ausmaß der Zerstörung schockiert. Bis zu 3 km landeinwärts sind an der Straße entlang Fahrzeuge verstreut, ganze Gebäude davon einige einst mehrstöckige Ferienanlagen wurden völlig eingeebnet. Planierraupen sind damit beschäftigt, Trümmer zu beseitigen und nach Toten zu suchen.
Der Verkehr kriecht dahin, während die Verkehrspolizei versucht, den ständigen Strom von Krankenwagen und Rettungsfahrzeugen in den Griff zu bekommen. Wir werden von einer Kolonne von 17 Lastwagen überholt, deren Ladung aus nichts anderem als toten Körpern besteht. Kurz danach kommen wir auf ein offenes Areal zu ein ehemaliger Parkplatz, vermute ich auf dem noch mehr Leichen in Säcken aufgereiht sind, Lastwagen mit Särgen werden hier entladen.
2. Tag: Wir machen uns mit sechs Freiwilligen auf den Weg nach Krabi, viele Überlebende von der Phi Phi Insel haben dort Zuflucht gefunden. Auf dem Weg dorthin machen wir beim Phanga Spital halt, um die Patienten zu ermutigen. Von den vielen Ausländern, die auf den Fluren auf Hilfe warten, finden wir heraus, dass dieses Krankenhaus die meisten verletzten Touristen aufgenommen hat. Die meisten hier sind auf der Suche nach vermissten Angehörigen.
Wir singen für die vielen Traumatisierten im Wartesaal einen Family-Song, der schon Tausenden von Menschen in der ganzen Welt in schweren Zeiten ein Trost und eine Inspiration war: Peace in the Midst of a Storm (Innerer Friede mitten im Sturm). Anschließend ermutigen wir die Patienten in persönlichen Gesprächen. Dem sei hinzugefügt, dass es auch dieses mal nicht einfach ist, zu hören, wie diese Menschen ihre Liebsten, ihr Zuhause und ganze Existenzen verloren haben. Dennoch, mit jemandem darüber reden zu können, scheint für die Betroffenen eine wichtige Rolle zu spielen, um das Trauma überwinden zu können. Zusätzlich bekommt jeder noch von uns Essensrationen und falls nötig Kleidung.
Auf der Weiterreise kommen wir nach 100 km in Krabi an und treffen uns mit einem weiteren Team von Family International, das gleich nach der Katastrophe anfing, im dortigen Krankenhaus auszuhelfen. Da diese Freiwilligen selber Schweden sind und fließend Thai sprechen, hatten sie es sich hauptsächlich zur Aufgabe gestellt, für die vielen skandinavischen Verletzten als Übersetzer zur Verfügung zu stehen.
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| Ein Dorf der Moken in glücklicheren Tagen. Man stelle sich vor: simple Behausungen auf Stelzen, die sich direkt am Strand befinden, werden von einer Wasserwand getroffen, die so hoch ist wie die Bäume im Hintergrund. |
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| Während eines Besuchs in einem Dorf der Moken vor einigen Monaten: Debbie erzählt einer älteren Frau von Gottes Liebe. |
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| Im Takua Pa-Spital, kleben wir ans Anschlagbrett Fotos von vermissten Touristen, die uns per E-mail geschickt worden sind. |
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| Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich herausfand wie die verletzte junge Frau, links, ihre gesamte Familie und die Dame in der Mitte ihre Enkel verloren hatte. |
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| Im Dorf Chao Lay, das immer noch auf Hilfslieferungen wartet, verteilen Freiwillige von Family International Nahrungsmittel und Kleidung. |
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| Wir beten inständig dafür, dass so viele Vermisste wie möglich aufgefunden und mit ihren Angehörigen wiedervereint werden können. |
»Es gab hier dermaßen viele Verletzte«, berichtet uns Abe, »dass Operationen im Foyer durchgeführt werden mussten. Es gab einfach nicht genug Betten, es ging hier chaotisch zu.«
Abe geleitet uns zum Krabi Gymnasium wo die Obdachlosen hauptsächlich Moken (Seezigeuner von Phi Phi) untergekommen sind. Viele der thailändischen Überlebenden von Phi Phi habe die Gegend verlassen, um bei Freunden oder Verwandten unterzukommen, die Moken haben leider nicht das Glück. Während sich einige von uns um die Kinder kümmern, reden die anderen mit den Erwachsenen. Non, der erste Moken auf den wir treffen, der Englisch und Thai spricht, agiert für uns als Übersetzer. Er gibt unsere Worte der Ermutigung weiter und hilft uns, mit all seinen Stammesmitgliedern ein Gebet zu sprechen. Anschließend verteilen wir wieder Essensrationen und Kleidung.
3. Tag: Wir fahren 200 km weiter nach Takua Pa. Im dortigen Spital heften wir ans Anschlagbrett Fotos von vermissten Touristen, die uns per E-mail geschickt worden sind. Danach kümmern wir uns um die Obdachlosen, die auf dem Krankenhausgelände kampieren und verteilen Essensrationen. Ob nun persönlich oder in Gesprächen in der Gruppe, ermutigende Worte gibt es für jeden, den wir antreffen.
Nach der Krankenhausvisite geht es weiter nach Wat Yang Yao, wir hörten, dass dort Übersetzer benötigt werden. Allerdings finden wir heraus, dass unsere Hilfe außerhalb der Krankenstationen angebrachter ist. Dort drängeln sich Touristen und Einheimische um die Fotos am schwarzen Brett herum, in der Hoffnung vermisste Angehörige wieder zu finden. Hier verteilen wir Zusammenstellungen von ermutigenden Sprüchen, Gedichten und Anekdoten auf Thai und auf Englisch.
4. Tag: Frühmorgens geht es weiter zum Dorf Chao Lay auf der Insel Phuket. Dieses Dorf konnte sich bisher nicht für Regierungshilfe qualifizieren, da es dort keine Todesfälle in Zusammenhang mit der Flutwelle gibt. Nichtsdestotrotz sind viele Fischerboote und damit viele Existenzen des Dorfes zerstört. Nach der Bekanntgabe unserer mitgebrachten Hilfe scharte sich um uns schnell eine Menschenmenge. Nach einem Gebet mit den Dorfbewohnern verteilten wir Nahrungsmittel und Kleidung.
Während ich diesen Bericht tippe, kommt mir doch folgende wunderbare Verheißung aus der Bibel in den Sinn:
»Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.« (Psalmen 46:13)
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