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WELTWEITES WERK


Unser Besuch bei den »Ik« - Juli 2004



Von Robin, Simon, Celly und Ben


– Celly, freiwillige der Familie, mit neugewonnenem Freund, ein Ik-Baby

Unser Ziel: eine steile Hügelkette in der abgelegenen und gebirgigen Teuso-Region im nordöstlichen Teil von Uganda, dem Heimatland des unvergesslichen Ik-Stammes. Der große englische China-, Indien- und Afrika-Missionar C.T. Studd (1862-1931), bereiste dieses Territorium im 19. Jahrhundert, zu einer Zeit, in der sich dort selten weiße Menschen blicken ließen. Mehr als ein Jahrhundert später lebt der Ik-Stamm noch genauso wie zu Studd's Zeit und den Jahrhunderten davor. Praktisch unberührt von der modernen Welt, sind die Ik immer noch ein unkompliziertes Volk mit Herzen aus Gold.

Unser Team: Vier Freiwillige von The Family International: Robin, Simon, Celly und Ben und John Mark Loweri, einer der sehr wenigen Ik, die ihr Heimatland verlassen und sich eine akademische Ausbildung angeeignet haben, er war unser Führer und Übersetzer.

Unser Aufrag: Eine Botschaft der Liebe und Hoffnung für das von Überfällen heimgesuchte Volk der Ik. Vierzig handgekurbelte Kassettenrecorder (entwickelt von Audio Scripture Ministries) und Kassetten mit einer Gesamtlänge von 160 Stunden Bibeldramen und Geschichten in Icetot (die Sprache der Ik) für die Angehörigen des Ik-Stammes.

Die Gefahren: Viehdiebe, wilde Tiere und Hinterhalte von Karimojong-Kriegern entlang der »Straße des Todes«, ausgerüstet mit Speeren, Pfeil und Bogen und AK-47er Sturmgewehren.

Gottes Verheißung für uns: »Ich sende einen Engel vor euch her, um euch auf dem Weg zu beschützen und euch an den Platz zu bringen, den ich vorbereitet habe.« (2. Mose 23:20)


Die amerikanischen Missionare Richard Hoffmann und Van Smith statteten den Ik im Jahre 1996 eine länger Visite als vorerst letzte Besucher aus dem Westen ab. Sie lebten 2 Monate lang in einer kaabong (Lehmhütte) und arbeiteten gemeinsam mit den Ik-Stämmen daran, das geschriebene Icetot (Bezeichnung für die Sprache der Ik) zu kreieren, eine Schrift, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Seitdem sind unzählige Gebete gesprochen worden, dass es doch eines Tages möglich wäre, die Ik in ihrer eigenen Sprache mit dem Evangelium zu erreichen.

Dann wurden Richard Hoffmann und Van Smith vor fünf Jahren John Mark Loweri per E-mail vorgestellt. Indem die drei nun ihre Anstrengungen bündelten, übersetzten sie auf der Bibel basierende Dramen in Icetot und fingen dann an, sich nach einem Studio in Uganda umzusehen, um diese aufzunehmen und als Kassetten zu produzieren. Dank der mächtigen Kraft und Intervention Gottes und etwas zusätzlicher Hilfe aus dem Internet, fand Richard unsere Website und schickte uns ein E-mail mit einer Beschreibung des Projekts. Im Februar 2004 nahm John Mark dann alle seine bis dahin existierenden Übersetzungen in unserem RadioActive-Studio in Kampala auf.

Einen Monat später war alles fertig: eine Lieferung von vierzig handgekurbelten Kassettenrecorder (die Ik besitzen keinen elektrischen Strom) traf aus Übersee ein und Kassetten mit einer Länge von insgesamt 160 Stunden wurden dupliziert und verpackt. Sponsoren übernahmen die Reisekosten und die Wartung unseres Fahrzeugs. Und so begann ein Abenteuer, das wir wohl nie vergessen werden!

Der größte Teil von Uganda ist modernisiert worden, nur in Nordost-Uganda, wo der Reichtum und der soziale Status jahrtausendelang damit gemessen wurde, wie viele Kühe man besitzt, fahren die ruhmlosen Karimojong-Krieger fort, sich auf Nutzvieh und Viehdiebstahl zu konzentrieren. Dennoch ist die Modernisierung nicht vollständig an ihnen vorüber gegangen. Viele Karimojong-Krieger haben ihre Speere und Pfeil und Bogen gegen AK-47 Sturmgewehre eingetauscht!

Im Gegensatz dazu sind die IK-Stämme friedliebende Bauern, die zwischen die Gewehrfeuer von Stammesfehden geraten. Die Karimojong-Nachbarn setzen die Ik-Siedlungen regelmäßig in Brand, töten die Ik und stehlen ihr Vieh und ihre Nahrung.

Zusätzlich zu der Gefahr, welche die Karimojong darstellten, befanden sich die Ik-Dörfer, die wir besuchen wollten, zwischen zwei anderen sich bekriegenden Stämmen – den Dodoth und den kenianischen Turkana. Erst ein paar Tage vor unserer Reise fand ein gewaltsamer Viehüberfall statt, bei dem ein Ik-Dorf niedergebrannt und über 50 Turkana getötet wurden. Unter diesen Umständen mussten wir uns fragen, ob wir mit unserer Mission zu den Ik fortfahren sollten. Es war eine Entscheidung, die nur Mithilfe inständigen Gebetes getroffen werden konnte.

John Mark hatte das Gefühl, dass die Turkana Zeit brauchten, um Kräfte zu sammeln, bevor sie zum Gegenangriff übergingen – dies würde uns genügend Zeit geben, um unsere Mission zu vervollständigen. Wir legten dem Herrn die Angelegenheit im Gebet dar, und er bestätigte uns, dass wir uns, wie geplant, ohne Bedenken auf dem Weg zu den Ik machen sollten – unter der Voraussetzung, dass wir jeden unserer Schritte dem Herrn im Gebet überantworten.

Die Gefahren der »Straße des Todes« – eine lange unbefestigte Straße durch das Land, das im Karimojong-Territorium liegt und zum größten Teil nicht von der Regierung kontrolliert wird – stellte das erste von vielen Hindernissen dar. Der einzige Schutz, auf den wir uns verlassen konnten, war Gott. Wohlbehütet geleitete er uns den gesamten Weg, manchmal sagte er uns sogar, dass wir nachts reisen sollten. Man sollte meinen, dass es nachts im Karimojong-Territorium sehr viel gefährlicher wäre, aber wir fanden heraus, das die meisten wilden Tiere im Busch wach sind und sich die Krieger in die Sicherheit ihrer geschützten Dörfer zurückziehen. Die Straße gehörte also uns!


– Die lächelnden Ik –

Bei unserer Ankunft in dem ersten Ik-Dorf erfuhren wir, dass es sieben Monate lang keinen Regen gegeben hatte. Die Flussbetten waren ausgetrocknet, und die einst fruchtbare Landschaft hatte sich halbwegs in eine Wüste verwandelt.

Unsere Ankunft war ein großes Ereignis. Läufer wurden in die verschiedenen Dörfer der umliegenden Berge geschickt, um unsere Ankunft anzukünden und jeden zu unserer Zusammenkunft einzuladen.

Für die Ik war dieses Ereignis wohl nicht weniger aufregend, als wie für uns. Bei unserer Ankunft schien es vom Inneren unseres Jeeps erst, als ob die Ik mit den Fingern auf uns zeigten und über uns lachten. Dann bemerkten wir allerdings, dass sie das erste Mal im Leben ihre eigenen Spiegelbilder in den Fensterscheiben eines Jeeps sahen. Als wir aus dem Jeep stiegen, kamen die Erwachsenen und die Kinder angerannt, um kräftig unsere Hände zu schütteln.

John Mark machte mit uns die Tour durch das Ik-Dorf, in dem er aufgewachsen war. Wir waren fasziniert, dieses Dorf kennenzulernen, in dem die Menschen seit Tausenden von Jahren noch genauso lebten wie heute. Wir benutzten unsere auswendig gelernten Icetot-Sätze und verbrachten viel Zeit, um mit diesen freundlichen Menschen zu kommunizieren. Als die Nacht hereinbrach, ruhten wir inmitten unserer neuen Freunden und dachten noch lange über die einzigartige Schönheit des einfachen Lebens der Ik und ihrer darin resultierenden Zufriedenheit nach.

Am nächsten Morgen trekkten Menschen aus elf Ik-Dörfern meilenweit über sich schlängelnde Ziegenpfade, um unsere erste Zusammenkunft zu besuchen. Wir benutzten die handgekurbelten Kassettenrecorder, und die Leute hörten in Ehrfurcht zu, als der Klang ihrer eigenen Sprache aus diesen seltsamen Kästen ertönte. Noch viel mehr erstaunt waren sie, als John Mark erstmalig Seiten in geschriebenem Icetot vorführte. Niemand hatte sich bisher jemals die Mühe gemacht, die Sprache dieses Volk in Schrift umzusetzen! Von nun an war es den Kindern möglich, Icetot lesen und schreiben zu lernen.

Alle sassen in ehrfürchtiger Stille da, als die inspirierenden Bibeldramen und Geschichten auf den Kassettenrecordern abgespielt wurden – die Energie für die handgekurbelten Abspielgeräte wurde jeweils von enthusiastischen Vertretern jedes Dorfes zur Verfügung gestellt. Geschichten über Jesus erwärmten die Herzen dieser Menschen. Anschließend empfingen jene, die es noch nicht getan hatten, Jesus als persönlichen Retter in ihre Herzen. Als wir die Ik fragten, ob es noch irgendetwas anderes gäbe, wofür wir beten sollten, baten sie uns, Gott um Regen zu bitten. Die Trockenheit hatte ein ernstes Ausmaß angenommen. Als wir nach oben schauten, war der Himmel vollkommen blau und nicht die geringste Spur einer Wolke. Unverzüglich beriefen wir eine Gebetsversammlung ein, alle Anwesenden senkten die Köpfe und baten Gott, ein Wunder zu tun.

Genau eine Stunde später wurde der Himmel dunkel, und es fing an zu donnern. Die Sonne war hinter Wolken verschwunden. Es gab weitere Gebetsanliegen für Frieden, Schutz und Heilung, aber als die Versammlung zu Ende ging, fingen die ersten Regentropfen an zu fallen, und jeder lobte Gott, dass Er das Gebet so schnell beantwortet hatte. In Kürze schüttete es nur noch so! Wir hatten große Ehrfurcht vor dem erstaunlichen kindlichen Glauben dieser Menschen.

Am nächsten Morgen, nachdem wir für Gottes Schutz für den Rest unserer Reise durch den Busch gebetet hatten, fuhren wir den steilen Abhang der Nawadow-Hügelkette zu einer zweiten Ik-Gemeinschaft hinauf, genannt Kamion. Nawadow hat eine der atemberaubendsten Aussichten der Welt, von wo aus man die weiten Ebenen Kenia's überschauen kann. Unser Schlaf in dieser Nacht wurde vom Lärm von Dodoth-Stammesangehörigen nur einige Schritte von unseren Zelten entfernt unterbrochen, die gestohlenes Turkana-Vieh hüteten. Unter solchen Umständen konnten wir nur Gottes Verheißungen vertrauen, Engel zu schicken, um uns zu beschützen – was er offensichtlich auch tat!

Die Zusammenkunft am nächsten Tag in Kamion folgte einem ähnlichen Muster wie der im ersten Dorf. Aufs Neue wurden diese lieben Menschen mit unserer Botschaft getröstet, dass Gott sie nicht vergessen hatte. Wieder gab es Gebete, um Jesus aufzunehmen und um Regen. Und wieder ließ der Regen, diesmal von Donnern und Blitzen begleitet, nicht lange auf sich warten.

Das dritte Gebiet, das wir besuchten, lag im Timu-Wald, wo die Dodoth nur Tage vorher ein Ik-Dorf niedergebrannt hatten. Nachdem ein Läufer angekündigt hatte, dass wir eingetroffen waren, kamen die Ik aufgeregt aus ihren Verstecken am Berghang heraus. Diese wunderbaren Menschen lieben es zu singen und ihre Loblieder erschallten in perfektem Klang und vollkommener Harmonie. Die Lieder der Ik und der Blick auf die spektakulären Berge im Hintergrund kreierte einen Augenblick, der so schnell nicht zu vergessen ist!

Diese Menschen hatten viel verloren, aber sie erhoben ihre Herzen und ihren Geist in Liebe und Dankbarkeit zu dem Herrn, der sie lebendig erhalten hat. Sie baten uns, für sie zu beten – und es gab viele Gebetsanliegen für Heilung und noch mehr für Regen!

Nachdem das letzte handgekurbelte Abspielgerät und die letzte Kassette verteilt waren, begannen wir die lange Heimreise, während sich wieder der Regen auf den Timu-Wald ergoss. Große Pfützen bildeten sich, wo es monatelang nur Staub gegeben hatte – machtvolle Zeugnisse des Wunders, das in Antwort auf Gebet geschehen war. Wir lächelten, als wir an Stammesangehörige und Vieh vorbeifuhren, die sich an den mit Regen gefüllten Flussbetten versammelten, um ihren Durst zu löschen.

Die Reise zu den Ik war wahrlich ein lebensveränderndes Erlebnis. Am Ende hatten ungefähr 500 Menschen mit uns gebetet, um Jesus als ihren persönlichen Erretter und nie versagenden Freund aufzunehmen. Wir planen, bald mit mehr Kassetten zurückzukehren, damit in den Herzen der Ik bald noch mehr Hoffnung, Trost und Vertrauen in Gott wachsen kann.


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