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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

DIE ENTSCHEIDUNG DES STATTHALTERS

1. TEIL
(Apostelgeschichte 13:1-13)


Wir befinden uns ungefähr im Jahre 45 n. Chr. Die Grenzen des römischen Reiches, bewacht von den unüberwindlichen römischen Legionen, strecken sich durch die ganze zivilisierte Welt, von Britannien bis nach Persien. Rom, die sogenannte »Ewige Stadt«, Sitz jeglicher Amtsgewalt und Wohnsitz der Cäsaren, regiert unangefochten.

Fünfzehn Jahre vorher hatte ein radikaler, aber scheinbar unbedeutender Tischler namens Jesus von Nazareth, ein Mann, der von sich behauptete, der Sohn Gottes zu sein, eine religiöse Revolution in der weit entfernten Provinz Palästina begonnen. Seine Bewegung kam praktisch an ihr Ende – so schien es wenigstens – als Er festgenommen und auf typisch römische Weise hingerichtet wurde: Kreuzigung. Der Vorfall war bald vergessen, und die unangefochtene Weltherrschaft des Römischen Reiches mit all ihrer Pracht und dekadenten Herrlichkeit dauerte an!

Dies alles ging Sergius Paulus durch den Kopf, als er, tief in Gedanken versunken, von der Terrasse seiner prachtvollen Villa aus über das klare blaue Wasser des Mittelmeeres blickte. Er war traurig und beunruhigt. Er verstand jedoch nicht, warum er sich so fühlte. Er hatte alles, was sich ein Mensch wünschen konnte. Er war der römische Statthalter von Zypern. Auf sein Wort hin lebten oder starben Menschen. Er besaß eine geräumige, schöne Villa, jeglichen Komfort, jeglichen Luxus und jedes materielle Vergnügen, das er sich wünschen konnte. Dennoch war er nicht zufrieden. Etwas fehlte noch.

Sergius war ein intelligenter und belesener Mann. Für ihn waren die römischen Götter und Zeremonien nur leerer und bedeutungsloser Aberglauben. Auf seiner Suche nach geistiger Wahrheit hatte er angefangen, einem jüdischen falschen Propheten namens Bar-Jesus zuzuhören. Dieser Mann nannte sich selbst »Elymas«, was übersetzt »der Magier« bedeutet. Obwohl dessen Ideen manchmal merkwürdig waren, musste sich Sergius eingestehen, dass der Mann irgendeine Art geistiger Kraft zu besitzen schien. Doch hatte der Statthalter noch immer keinen Frieden. »Was ist denn nun wirklich die Wahrheit?«, fragte er sich.

Nun hatte er vor ein paar Tagen gehört, dass einige Mitglieder einer umstrittenen religiösen Gruppe, die durch Zypern zogen und ihre Lehre der Liebe predigten, in Paphros angekommen waren. Seine Diener hatten ihm erzählt, dass diese Leute davon predigten, wie Menschen eine wunderbare geistige Wiedergeburt haben könnten. Sergius war sofort daran interessiert, mehr darüber zu hören und berief die Fremden zu einer Audienz an seinen Hof.

Am darauffolgenden Tag wurden seine Gedanken plötzlich durch einen Bediensteten unterbrochen, der ihm zuflüsterte: »Meister, die drei Männer sind zu ihrer Verabredung erschienen.« Sergius verließ die Terrasse und ging hinunter in seine Villa, um sie zu treffen. Drei Juden, die sich als Barnabas, dessen Neffe Johannes-Markus und Paulus von Tarsus vorstellten, begrüßten ihn. Sergius hieß auch seinen nahestehenden Freund und Berater Elymas, den Magier, der auch angekommen war, herzlich willkommen.

Bei einem Festmahl und trockenem zyprischem Wein fingen sie dann an, sich zu unterhalten. Sergius freute sich darüber, dass Paulus römischer Bürger und Barnabas sogar gebürtiger Zypriote war. Sergius hob dann an und sprach: »Ich habe vieles über eure Religion gehört und gelesen, dass ihr in Palästina einiges an Verfolgung erlitten habt. Vor mehr als einem Jahr hat König Herodes einen von euren Anführern töten und andere ins Gefängnis werfen lassen, nicht wahr? Ich habe in jener Zeit viele negative Berichte über euch erhalten. Ich wusste jedoch nicht, was ich glauben sollte.

Als ich dann hörte, dass Herodes kurz darauf gestorben ist, von Würmern zerfressen, fragte ich mich, ob vielleicht euer Gott ihn gerichtet hatte. Wie dem auch sei, solltet ihr recht haben, wie kommt es, dass ihr so gehasst und verfolgt werdet? Überall spricht man gegen eure Sekte!«

Paulus antwortete: »Einstmals habe ich selbst die Christen so sehr gehasst, dass ich eine landesweite Verfolgung gegen sie geleitet habe! Ich bin in ihre Häuser eingedrungen und habe Männer und Frauen in Gefängnisse werfen lassen. Ich habe nicht nur versucht, sie dazu zu zwingen, den Namen Christi zu lästern und ihren Glauben zu verleugnen, ich habe sie sogar töten lassen!«

»Erstaunlich!«, rief Sergius auf, »und jetzt bist du selbst der Rädelsführer dieser Sekte geworden, der... der... wie nennt ihr euch eigentlich?«

Elymas bemerkte sarkastisch: »Sie werden Sekte der Nazarener genannt!«

»So nennen uns unsere Feinde«, korrigierte Barnabas, »wir nennen uns lieber Christen

Als Paulus dann weitererzählte, wie er auf der Straße nach Damaskus auf wunderbare Weise zum Christentum bekehrt wurde, fiel Elymas auf, wie gespannt Sergius ihren Worten zuhörte. Elymas erkannte, dass sein Freund, der Statthalter, nicht mehr auf seinen Rat hören würde, falls er sich zum Christentum bekehrte, und so entbrannte eine eifersüchtige Wut in ihm. Ärgerlich unterbrach er das Gespräch und fing an, Paulus und Barnabas zu widersprechen und all die Beschuldigungen und üble Nachrede, die er über ihre Bewegung vernommen hatte, aufzuführen.

Sergius Paulus war verwirrt. Die Lehren über die Liebe von diesen Christen interessierten ihn sehr. Elymas war jedoch seit langer Zeit sein engster Gehilfe und Berater gewesen. Wem sollte er nun glauben? Hier geht's weiter.


©1987 by The Family, Pf.3624, 8021 Zürich, Schweiz (The Governor's Choice!, TR pp 321ff, TrHunt#25, p.3 - German)

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