»In meinem ersten Semester an der Uni fing ich an, mit einem wirklich lieben Jungen zu gehen. Wir trafen uns oft und haben insgesamt eine tolle Zeit miteinander verbracht. Er war echt lieb und glaubte auch an Gott, war aber ein ziemlich stiller Typ, meistens in sich gekehrt, schüchtern und nicht gerade gesprächig. Ich mochte ihn sehr und ich glaube, er mich auch! Zumindestens vermute ich das, denn ich war mir nicht ganz sicher, weil wir nie wirklich viel miteinander geredet haben. Wir redeten eigentlich nur über das Wetter oder was wir so vorhaben, oder über die Universität. Doch wir haben niemals tiefere Gespräche geführt, schon gar nicht darüber, was in unseren Herzen vor sich geht.
Ich erkannte dies nicht als Problem, bis ich schließlich ihm gegenüber ernsthafte Gefühle entwickelte! Ich glaube er war wirklich schüchtern und hatte Angst davor, eine engere Beziehung einzugehen. Deshalb ließ er unsere Beziehung einschlafen, was mir mein Herz brach. Danach begann ich darüber nachzudenken, was schief gelaufen war, bis ich schließlich erkannte, dass ich die ganze Zeit nicht wirklich wusste, was er von unserer Beziehung hielt, und er wohl nicht wusste, wie ich dazu stand. Das war der Zeitpunkt, an dem ich erkannte, dass wir während unserer Beziehung überhaupt keine tiefe Kommunikation miteinander gehabt hatten.
Nachdem wir uns getrennt hatten, konnte ich es immer noch nicht verstehen, und ich fragte mich: Warum habe ich ihn nie gefragt? Warum haben wir nicht offen über unsere Gefühle und Gedanken gesprochen? Hätten wir das getan, wäre alles so einfach gewesen, und es hätte das ganze Problem nicht gegeben, die Gefühle des anderen nicht zu kennen und zu verstehen. Es war schon irgendwie komisch, jemandem so nahe zu sein und doch kaum etwas über seine Gefühle und Gedanken zu wissen!
Das ganze war für mich eine gute Lektion und ich lernte daraus, wie wichtig es ist zu fragen! Ich erkannte die Bedeutung ehrlicher und offener Kommunikation. Ich lernte, wie wichtig es ist zu fragen, wenn man etwas nicht versteht, und dass man versuchen sollte den anderen dazu zu bewegen, ehrlich zu sein und seine Gedanken und Gefühle auszudrücken genauso wie man über seine eigenen Gefühle ehrlich sein sollte.«
Warum bleiben manche Menschen lieber für sich?
Warum war es für meinen Freund so schwierig zu kommunizieren? Warum halten manche Menschen einen Schleier über ihre Gedanken und Herzen, damit andere nicht mal einen kurzen Blick auf ihre innersten Gedanken und Gefühle werfen können? Es gibt eine Reihe von verschiedenen Gründen.
Manche Menschen sind mit dem Glauben aufgewachsen, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, seine Gefühle zu zeigen oder häufig darüber zu reden. Folglich haben sie nie die Fähigkeit entwickelt, mit anderen Menschen ernsthaft zu reden. Sie haben nie gelernt, offen mit jemand anderen zu sprechen und haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
Andere haben Angst zu enthüllen, was sie fühlen oder denken. Sie wollen nicht das Risiko eingehen, verletzt oder abgelehnt zu werden, wenn jemand anderer Ansicht ist.
Wieder andere meinen, sich auszusprechen bringt nichts und denken »warum sollte man auch«? Sie haben irgendwann mal versucht, mit einer anderen Person auf persönlicher Ebene zu kommunizieren, aber irgendetwas ist dabei schiefgelaufen und sie haben deshalb irgendwann aufgegeben, es weiterzuprobieren.
Manche Menschen glauben nicht, dass sie als Person anderen etwas anzubieten hätten. Sie glauben nicht, dass ihre Ideen viel wert sind. Sie haben eine geringes Selbstwertgefühl, und als Ergebnis halten sie ihre Bemerkungen und persönlichen Gefühle zurück.
Wegen solcher Gedanken und Ängste stagnieren wir dann auf einer niedrigen Kommunikationebene. Lösen wir uns aber von solch einer negativen und einschränkenden Einstellung, gelangen wir zu einer tieferen und bedeutsameren Ebene. Es gibt viele verschiedene Stufen der Kommunikation zwischen Menschen, vom oberflächlichem Gerede und Getratsche bis hin zu einem tieferen, persönlichen und ehrlichen Offenlegen des Innersten.
Ebenen der Kommunikation
In Klischees zu sprechen ist die gebräuchlichste Art der Kommunikation zwischen Menschen. Wir tauschen Nettigkeiten aus, wie: »Wie geht's dir?«, »Wie geht's deiner Familie?«, »Wo warst du im Urlaub?«, »Deine Kleidung sieht heute aber toll aus!« etc. In dieser Art von Gesprächen findet kein persönliches Mitteilen statt. Diese Art der Unterhaltung ist ziemlich gefahrlos, denn jeder kann sich sicher hinter seinem Schutzschild verbergen.
Dann gibt es die Gespräche, in denen wir einfach nur Tatsachen wiedergeben. In dieser Art der Konversation teilen wir Klatsch und die Neuigkeiten des Tages mit, doch wir sagen nichts darüber, wie wir über diese Dinge denken. Etwa:
»Hast du das über Karin gehört? Sie ist wieder schwanger.«
»Wirklich? Da fällt mir ein: unsere Katze wird bald Junge bekommen.«
Echte Kommunikation aber beginnt, wenn wir bereit sind, aus unserer eigenen Zurückhaltung herauszukommen und zu riskieren, anderen von unseren Ideen und Entscheidungen zu erzählen, und sie wissen zu lassen wie wir darüber denken! Wenn jemand sich anderen wirklich mitteilen möchte, muss er an den Punkt gelangen, seine persönlichen Gefühle mitzuteilen. Nicht nur oberflächlich, sondern vom Herzen zu sprechen hilft uns, einander näher zu kommen, und macht aus uns aufrichtigere und bescheidenere Menschen. Alle stärkeren Beziehungen insbesondere Ehen müssen auf dieser Art der Offenheit und Aufrichtigkeit basieren, um zu funktionieren und zu wachsen. Etwa:
»Jörg, ich hab etwas auf dem Herzen, über das ich mit dir sprechen möchte!«
»Okay! Lass uns spazieren gehen! Ich bin jedesmal froh, wenn wir offen miteinander reden können.«
Wie man anderen helfen kann, sich mehr zu öffnen!
Die meisten stillen und zurückhaltenden Menschen wollen nicht wirklich so sein, wie sie sind. Sie wissen, dass sie freier sein sollten, und wollen sich nicht wirklich hinter ihren Mauern verstecken. Sie brauchen jemanden, der verständnisvoll und liebevoll genug ist, dabei zu helfen, aus sich herauszukommen. Wenn du an solch einen Menschen interessiert bist und ihn liebst, dann musst du lernen, ihn dazu bringen, aus sich herauszugehen und den Versuch zu machen, auf andere einzugehen und zu Kommunizieren. (Sprüche 20:5; Jesaja 50:4a.)
Eine Möglichkeit ist, sanft nachzuhaken und gezielte Fragen zu stellen. »Was meinst du damit? Kannst du mir das näher erklären?« Und wenn er erwidert: »Ich habe keine Lust, mich damit abzugeben!», könntest du vielleicht weiterfragen: »Warum möchtest du dich nicht damit beschäftigen?« Wenn du weiter fragst und ihn gleichzeitig wirklich ermutigst, wird er schlussendlich doch aus sich herauskommen und sich mitteilen denn das ist ohnehin der insgeheime Herzenswunsch der meisten Menschen. Sie brauchen einfach nur Hilfe!
Die »Im-Stillen-Leidenden«
Es gibt auch die »Im-Stillen-Leidenden« diejenigen, die ihre Gefühle und Empfindungen zurückhalten und im Stillen vor sich hinbrüten, weil sie nicht erwarten, dass andere ihre Probleme hören wollen! Im Stillen zu leiden ist auf der einen Seite bewundernswert; weil sie ihre Schwirigkeiten ertragen und allein durchstehen können. Aber wäre es nicht besser, wenn sie einfach aufrichtig um Hilfe und Gebet bitten würden?
Wenn du im Stillen vor dich hin leidest, fühlen sich alle anderen um dich herum gleichfalls elend, weil sie meist spüren können, dass mit dir etwas nicht stimmt, und sie sich Sorgen um dich machen. Sie haben keine Ahnung, ob du sauer, wütend oder krank bist oder sonst irgendwas passiert ist! Zugegeben, manchmal ist es besser, Schwierigkeiten zu ertragen, als sie zu offenbaren! Aber in den meisten Fällen ist es gesünder, alles rauszulassen und sich von anderen helfen zu lassen! (Galater 6:5,2; Jakobus 5:16.) So können dich andere zumindestens ermutigen, ihre Symphatie mit dir teilen und für dich Beten, genau was du brauchst, wenn du niedergeschlagen bist! (Sprüche 12:25; 27:9)
In vielen Fällen hilft es wirklich, über die Sachen zu reden, die du durchmachst, auch wenn die Person, mit der du sprichst, gerade keine Lösungen parat hat! Du fühlst dich danach einfach besser: »Oh, nur darüber zu reden hat wirklich geholfen, um einfach meine Gedanken in Ordnung zu bringen.« Wenn du als Christ jemandem dein Herz ausschüttest, ist das Beste was du tun kannst, den anderen zu bitten, mit dir zusammen für Lösungen zu beten. »Einer verjagt Tausend aber zwei schlagen Zehntausend in die Flucht!« (5. Mose 32:30)
Kommunikation mit Gott
Etwas, das unsere Verständigung mit anderen sicherlich verbessert, ist eine gute Kommunikation mit Gott. Auf welcher Ebene kommunizieren wir mit Jesus? Werfen wir alle Schleier ab und legen wir unser Herz wirklich offen vor Ihm? Oder handeln wir wie die Frau mit dem Bündel schmutziger Wäsche? Sie hatte alles zum Fluss gebracht, um dort zu waschen, aber schämte sich, das Bündel zu öffnen, da alle sehen könnten, wie schmutzig die Wäsche war! Deshalb tauchte sie das ganze Bündel ein paar Mal ins Wasser, und brachte es dann nach Hause pitschnass aber immer noch schmutzig!
Schämen wir uns, unser Herz vor dem Herrn und anderen zu öffnen aus Angst, dass sie sehen, welch ein Durcheinander wir sind? Jesus kennt unser Herz, Er kennt unsere Fehler und Schwächen, und Er liebt uns bedingungslos, so wie wir sind. Er wartet nur darauf, dass wir Ihm unsere Herzen öffnen, so dass Er »uns unsere Sünden vergeben und uns von all unseren Ungerechtigkeiten reinigen kann.« (1. Johannes 1:9)
Wenn wir uns Jesus gegenüber öffnen, uns Ihm ganz ausliefern und unser Leben Ihm übergeben, und Ihm alles sagen was uns auf dem Herzen liegt, wird es uns leichter fallen, uns anderen gegenüber zu öffnen! Wenn wir wissen, dass Jesus uns trotz all unseres Versagens und unserer Fehler akzeptiert und liebt, dann wird es uns helfen, andere zu akzeptieren und zu lieben und mit ihnen mitzufühlen. Dies erzeugt dann in uns ein Verlangen und eine Bereitschaft, ihnen ein offenes Ohr zu leihen, ihnen unser Herz zu öffnen und ihnen die selben Antworten zu geben, die wir in Jesus gefunden haben!
Wenn du also Probleme hast und dir etwas auf dem Herzen liegt, dann sag es offen! Sprich mit jemandem darüber, den du liebst und dem du vertraust! Du wirst nie wirklich die Möglichkeit haben, dich mit der Angelegenheit zu befassen, wenn du dich nicht öffnest! Es würde sehr viel weniger Missverständnisse in der Welt geben, wenn die Menschen nur aufrichtig und offen miteinander kommunizieren würden, und offener über sich selbst wären! Es mag anfänglich ein bisschen schwierig sein, aber wenn du daran arbeitest, wird es mit der Zeit viel einfacher! Der Herr scheint Aufrichtigkeit und gute Kommunikation immer zu segnen. Und vielleicht möchte Er auch dich dafür segnen! Warum versuchst du es nicht einfach und wartest ab, was passiert?