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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

KAINS GARTEN - 2. TEIL

(1. Buch Mose 4)


Finster blickte er hinüber auf einen nahen, niedrigen Hügel, wo sein Bruder Abel einen kleinen, einfachen Steinaltar errichtet hatte. Ruhig band Abel ein kleines Lamm, ein Erstgeborenes aus seiner Herde, und legte es dann sanft auf das Holz auf dem Altar. Dann betete er: »Oh Herr, ich danke Dir für Deine Gnade, die Du uns jeden Morgen neu gibst. Danke für Deine Fürsorge und Deinen Schutz, dafür, dass Du uns versorgst und...« Er kniete nieder und weinte, »danke, dass Du uns liebst und uns unsere Sünden vergibst!«

Dann stand er auf, nahm das Messer in seine Hände und opferte das Lamm dem Herrn. Er zündete das Feuer an, und bald stieg süßer, würziger Geruch in einer dünnen Rauchsäule zum Himmel auf. Es war eine Gabe der Dankbarkeit von einen demütigen, gehorsamen Herzen und dies gefiel dem Herrn wohl.

Ärgerlich hielt Kain eine flammende Fackel hoch und betete laut, so dass alle ihn hören konnten: »Oh heiliger, gerechter Gott, der Du die belohnst, die Dir gehorchen und rechtschaffen in ihrer Kraft und Stärke arbeiten! Sieh auf die Früchte meiner Arbeit und sei mir wohlgefällig!« Dann warf er die Fackel zwischen die Äste. Stolz trat er zurück und beobachtete die wachsenden Flammen. Doch wie überrascht war er, als er eine schwarze Wolke aus den brennenden Früchten aufsteigen sah. Der Wind drehte und blies dunkle, übelriechende Rauchschwaden in seine Richtung. Es war offensichtlich, dass es dem Herrn nicht gefiel.

Keuchend, und den erstickenden Rauch abwehrend, stampfte Kain wütend davon, hinaus in seine Felder. Es dauerte geraume Zeit, bis er sich wieder genügend unter Kontrolle hatte, um den Herrn zu fragen, warum Er das Opfer zurückgewiesen hatte. Plötzlich sprach eine ruhige, gebieterische Stimme zu ihm:

»Kain, warum zürnst du? Warum senkst du deinen Blick? Wenn du das tust, was recht ist, wirst du dann nicht auch angenommen werden? Tust du aber Unrecht, so lauert die Sünde vor der Tür, und hat Verlangen nach dir!«

Kain antwortete nicht. Stattdessen ballte er seine Faust und verzog die Augenbrauen zu einer hässlichen Grimasse. Langsam, und unheilvollen Schrittes stelzte er zurück zum Haus und dann hinüber zu Abel, der sein Gebet vor seinem Altar gerade beendet hatte.

Kain baute sich, mit seiner Hacke in der Hand, vor ihm auf: »Abel,« sagte er mit ruhiger, beherrschter Stimme, »lass uns hinaus aufs Feld gehen. Ich möchte mit dir reden.« Überrascht sah Abel auf. »Sicher,« sagte er und erhob sich. Zusammen stiegen die beiden Brüder langsam einen frischgepflügten Hügel hoch, bis das Haus außer Sicht war.

Plötzlich, mit einem gewaltigen Schwung, hob Kain die Hacke hoch über sein Haupt empor und schlug mit aller Kraft auf Abel ein.

Es war getan! Einen Augenblick lang starrte er auf den leblosen Körper seines Bruders; dann begann er fieberhaft, ein Loch in den Boden zu graben. Er warf Abels Leichnam hinein und bedeckte ihn mit Erde. Dann erst bemerkte er, dass seines Bruders Blut an seinen Händen klebte! Er warf seine Hacke hin und rannte durch das Feld hinab zur Schaftränke, um die Spuren seines Verbrechens wegzuwaschen.

Plötzlich kam die strenge Stimme des Herrn über ihn und ließ ihn erstarren: »Kain! Wo ist dein Bruder Abel?«

Kain erwiderte trotzig: »Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?«

Die Stimme bekam einen zornigen Klang: »Kain, was hast du getan? Aus der Erde schreit das Blut deines Bruders zu mir. Und nun sag Ich dir: Verflucht seist du vom Boden der Erde hinweg, die ihren Mund aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen hat! Wenn du den Acker bebaust, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben! Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden!«

Dann trieb der Herr Kain von seiner Gegenwart hinweg. Kain nahm seine Frau mit sich und floh in die sich vertiefenden Schatten der Nacht, gen Osten, über die Ebene in das einsame Land Nod.


Zum Nachdenken:

(Anmerkung: Wir wissen, dass Adam und Eva zu dieser Zeit schon andere Kinder hatten, denn Eva »wurde die Mutter aller, die da leben.« Deshalb musste Kains Frau eine von seinen Schwestern gewesen sein, und die Männer, vor denen er floh, waren seine anderen Brüder. 1. Mose 3:20; 4:14,17).

1. Kain war religiös, sehr religiös. Er brachte Gott sogar Opfer und gab vor, Ihn zu verehren; aber, wie so viele »sehr religiöse« Menschen, von damals und bis auf den heutigen Tag, glaubte auch er, dass er seine Gerechtigkeit in sich selbst hatte und sich seine Errettung verdienen könne – mit nur ein bisschen Hilfe von Gott. Viele Leute behaupten, Gott zu verehren und von Ihm für ihre Errettung abhängig zu sein, jedoch arbeiten sie so hart daran zu versuchen, sie zu erwerben, dass sie meinen, die Errettung mit oder ohne Gottes Hilfe zu verdienen. Doch Epheser 2:8,9 sagt: »Denn aus Gnade (unverdienter Barmherzigkeit) seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, auf dass sich nicht jemand rühme!« (Siehe auch Römer 11:6.)

»Abel hat Gott ein besseres Opfer gebracht als Kain« (Hebräer 11:4), denn durch seine Tat bezeugte er, dass er für seine Errettung nur Gott allein vertraute. Er wusste, dass nur Gott gerecht ist und verließ sich völlig auf Gottes Barmherzigkeit und Vergebung. (Römer 7:18; Titus 3:5)

2. Schon seit Anbeginn hatte der Herr bestimmt, dass das Sühneopfer ein Blutopfer, ein Lamm, sein sollte. (1. Mose 22:7). Jesus, Gottes Sohn, war das endgültige Opfer, »das Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinwegnimmt.« (Johannes 1:29). Jesus vergoss Sein Blut und starb, um uns von unseren Sünden zu erlösen; und nur deswegen gibt es Errettung für uns! Nicht dadurch, dass wir selber versuchen »gerecht zu sein«, oder indem wir versuchen religiöse Gesetze einzuhalten. Vielmehr werden wir durch Gottes liebevolle Gnade und Barmherzigkeit gerettet. (Siehe Galater 2:21.)

3. Wie Kain sind viele angeblich gute Menschen selbstgerecht, unbarmherzig, hasserfüllt, verbittert und nachtragend gegenüber ihren Mitmenschen. Dennoch behaupten sie, Gott zu lieben. Gottes Wort aber sagt: »So jemand spricht: "Ich liebe Gott" und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Wer seinen Bruder hasst, der bleibt im Tode und ist ein Totschläger.« (1.Johannes 3:11-15; 4:20). Jesus warnte davor, dass Gott weder unsere Gebete erhören, noch unsere harte Arbeit und Opfer belohnen würde, wenn wir unseren Bruder hassen (Psalm 66:18; Matthäus 5:23,24). Ohne Liebe sind alle unsere »guten Werke« zu nichts nütze. (1. Korinther 13:3)

4. Aus der Bibel lernen wir, dass Kain Abel umbrachte, weil »seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht.« (1. Johannes 3:12). Warum nennt Gott Abels Werke gerecht? Weil er demütig Gott gehorchte und seine völlige Abhängigkeit von Ihm zeigte! Dies machte den schwer arbeitenden Kain, der versuchte, seine eigene Errettung zu erwerben, so zum Narren, dass er den Mann tötete, dessen einfacher Glaube an Gott ihn bloßgestellt hatte. Dies war der Anfang der Verfolgung von wahren Verehrern Gottes durch selbstgerechte Religionisten, eine Verfolgung, die durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag weiter getobt hat. (Siehe Johannes 16:2,3; Galater 4:29.)

Ein anderer interessanter Punkt, der im Zusammenhang mit dieser Bibelgeschichte erwähnt werden darf: Ursprünglich war es von Gott beabsichtigt, dass der Mensch ein einfaches bäuerliches Leben auf dem Land verbringen sollte. Es ist bemerkenswert festzustellen, dass die erste Stadt der Welt von Kain gegründet wurde, nachdem er seinen Bruder ermordet und weit weg von der Gegenwart Gottes geflüchtet war. (1. Mose 4:16-17)

Viele Leute heute glauben zwar, dass Gott existiert, sie tun auch »gute Werke«, um Ihm zu gefallen und ihre Errettung »zu verdienen«, indem sie ihren Weg zum Himmel zu erarbeiten versuchen, aber genügt das, um sie zu retten? Die Antwort, gemäß Gottes Wort, ist ein definitives Nein! Wie wir aus dieser Geschichte ersehen können, glaubte Kain nicht nur fest an die Existenz Gottes, er sprach sogar zu Ihm und hörte Seine Stimme. (1. Mose 4:5-15) Aber obwohl er an Gott glaubte, empfing er Ihn nicht, noch gehorchte er Ihm demütig oder liebte seinen Nächsten. Jakobus drückte es so aus: »Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Du tust recht daran; aber das glauben auch die Teufel [bösen Geister, Dämonen] und schaudern dabei.« (Jakobus 2:19) Mit anderen Worten: Bloßer Glaube an die Existenz Gottes genügt nicht, um dich zu erretten oder dein Leben zu verändern; wir müssen Ihn (durch Jesus) aufnehmen. (Siehe Johannes 1:12.)



©1987/1988 by The Family, Pf.3624, 8021 Zürich, Schweiz (The Garden of Cain! TR pp.711ff.; TrHunt#1, p.3 - German)

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