Das schlimmste an dieser Geschichte ist aber, dass jeden Tag ähnliches passiert! Stell dir vor, wieviele wunderschöne, romantische Liebesaffairen niemals zum Erblühen kamen, die Romeos, die niemals ihre Julia trafen, weil beide zu schüchtern waren, den ersten Schritt zu machen! Überleg einmal, wieviele Carusos, Mozarts und Rembrandts es nie gegeben hätte, wenn sie zu schüchtern gewesen wären, ihre Werke anderen zu zeigen, und ihre Talente deshalb nie gefördert worden wären!
Aber am traurigsten ist es, wenn man an all die Millionen Seelen denkt, die wir im Himmel nicht sehen werden, weil so viele Christen zu schüchtern waren, ihnen von Jesus zu erzählen. Bist du nicht wirklich dankbar, dass jemand nicht zu schüchtern war, mit dir über den Herrn zu sprechen?
Vielleicht sagst du dir: »Ich bin einfach von Natur aus schüchtern. Das ist mein Charakter, ich bin nun mal so!« Das mag stimmen. Während einige Leute von Natur aus sehr offen, extrovertiert und aufgeschlossen sind und das Blaue vom Himmel herunterreden können, sind andere eher verschlossen, introvertiert, zurückhaltend, schweigsam und schüchtern. Doch die meisten Leute sind eigentlich nicht gerne schüchtern. Stille und zurückhaltende Menschen würden oft liebend gerne freier und in der Lage sein, zu reden, zu kommunizieren und mit anderen über ihre Gefühle zu sprechen, brauchen aber Hilfe, um durch die Mauern, die sie gefangenhalten, auszubrechen!
Schüchternheit ist Ich-Bezogenheit
Schüchternheit ist in fast allen Fällen eine Kombination von Angst und Ich-Bezogenheit, also falschem Selbstbewusstsein. Wenn wir schüchtern sind, liegt es oft daran, dass wir uns Gedanken machen, wie wir in den Augen anderer erscheinen, oder Angst haben, was andere über uns sagen oder denken könnten!
Manchmal sind wir sogar aus scheinbar guten Gründen schüchtern, weil wir die Gefühle anderer nicht verletzen wollen. Zum Beispiel zögern wir vielleicht, unserem/unserer Partner/in zu sagen, dass er/sie schlechten Mundgeruch hat, weil wir ihn/sie nicht beleidigen wollen. Doch wie werden unsere Liebsten die Tatsache je herausfinden, es sei denn, wir erzählen es ihnen? Selbstverständlich sollten wir taktvoll sein und auf die Gefühle des anderen Rücksicht nehmen. Doch wenn wir sicher sind, dass es richtig ist und wir aus Liebe handeln, sollten wir uns nicht darum sorgen, was andere über uns reden oder denken mögen! In der Bibel steht, dass wir dem Herrn dienen und gehorchen sollen, doch »nicht mit Augendienerei, also solche, die Menschen gefallen wollen, sondern als Knechte Christi, die den Willen Gottes von Herzen tun.« (Eph.6:6)
Man sagt, dass Schüchternheit in Wirklichkeit Ich-Bezogenheit ist. Wer schüchtern ist, denkt gewöhnlich so viel über sich selbst nach, dass er keine Zeit hat, aus sich herauszugehen und Interesse an anderen Menschen zu zeigen. Die Schüchternheit wächst mit der Ich-Bezogenheit, denn man ist sich seiner eigenen Person zu sehr bewusst. Wir denken, wir seien zu unattraktiv oder nicht gut aussehend genug!
Das war das Problem der später berühmten Sängerin und Komikerin Cass Daley: sie sehnte sich danach, Sängerin zu werden, leidete jedoch wegen ihrem großen Mund und stark vorstehenden Zähnen an einen Minderwertigkeitskomplex. Als sie zum ersten Mal in einem Nachtclub in New Jersey öffentlich sang, wollte sie besonders attraktiv wirken und versuchte, beim Singen mit ihrer Oberlippe ihre Zähne zu bedecken. Als Resultat davon machte sie jedoch unwillkürlich einen lächerlichen Eindruck!
Es saß aber ein Mann im Nachtclub, der Cass singen hörte, und sah was für ein Talent in ihr steckte. Er war nicht zu schüchtern, ihr unverblümt die Wahrheit zu sagen: »Schauen Sie mal, ich habe Sie bei Ihrem Auftritt beobachtet und weiß, was sie versuchen zu verstecken. Sie schämen sich Ihrer Zähne!« Die Unterhaltung war Cass sehr peinlich! Doch der Mann fuhr fort: »Was soll der Geiz? Ist es denn eine Verbrechen, hervorstehende Zähne zu haben? Hören Sie auf, sie zu verstecken! Zeigen Sie Ihre Zähne! Seinen Sie stolz darauf! Machen Sie Ihren Mund auf, und das Publikum wird von ihnen begeistert sein, wenn es sieht, dass Sie keine Hemmungen haben! Überdies ist es gut möglich, dass die Zähne, die Sie hier zu verstecken versuchen, Ihnen ein Vermögen einbringen könnten!«
Cass Daley nahm seinen Rat zu Herzen und vergaß ihre Schüchternheit und Hemmungen wegen ihrer Zähne. Von dem Moment an dachte sie nur noch an ihr Publikum. Sie machte ihren Mund weit auf und sang mit soviel Stil und solch einer Begeisterung, dass sie zum Topstar in der Unterhaltungsindustrie avancierte.
Wie kann man also diese Schüchternheit und Hemmungen überwinden? Indem man, wie zum Beispiel Cass Daley, sich selbst vergisst und an andere denkt! Sei nicht so verkrampft und hör einfach auf, soviel über dich selbst nachzudenken! Wie in der Geschichte einer ehemals prominenten Gesellschaftsdame, deren Bekannter fragte: »Wie kommt es, dass du auf einmal immer so glücklich und zufrieden bist, wenn du doch früher immer so nervös, unruhig und besorgt warst?« Sie lächelte und erwiderte: »Ich strenge mich nicht mehr so an!« Sie hatte aufgegeben, zu versuchen, andere zu beeindrucken! Sie versuchte nicht mehr krampfhaft, all das zu sein, was sie nicht war. Sie hatte sich entschlossen, einfach sie selbst zu sein! Das Geheimnis ihres neugefundenen Glücks war, dass sie sich »nicht mehr so anstrengte«! Wenn wir aufhören, uns darüber den Kopf zu zerbrechen, was andere wohl von uns erwarten, wie wir sein sollten und wie wir sowieso nicht sind und wenn wir stattdessen einfach damit zufrieden sind, wie Gott uns geschaffen hat, dann sind wir auch nicht mehr so schüchtern, ich-bezogen und besorgt um die Meinung anderer!
Angst vor Ablehnung
Ein anderer häufiger Grund für Schüchternheit ist, dass man denkt, was man selbst zu sagen hat, längst nicht so bedeutend ist, wie das, was andere Menschen zu sagen haben. Sollte dies dein Problem sein, dann solltest du den Unterhaltungsstoff anderer mit deinen eigenen Konversationskünsten vergleichen! Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass die meisten Themen, über welche die Leute sprechen, Sachen sind, über die du selbst genauso intelligent und mit dem gleichen Maß an Sprachgewandtheit oder Humor plaudern könntest wie sie! Wenn du es nur tun würdest!
Manche Leute sind einfach deshalb zu schüchtern, ein Gespräch anzufangen, weil sie Angst haben, einem kühlen Blick oder einer abweisenden Reaktion zu begegnen. Wirklich viele fürchten sich vor derartiger Resonanz. Aber überleg dir mal ernsthaft : wenn du dein ganzes Leben damit verbringst, Ablehnung zu vermeiden, wirst du niemals andere Menschen kennenlernen oder ihnen näher kommen. Gib dir etwas Mühe, zeige Interesse an anderen! Frisch gewagt ist halb gewonnen!
Ja, es stimmt, die meisten Menschen leiden zu einem gewissen Grad unter Minderwertigkeitskomplexen. Zumindest teilweise fühlen wir uns »nicht so gut wie andere«! Doch die Bibel sagt uns, dass alle anderen auch schlecht sind, und dass du nicht schlimmer als alle anderen bist. Gott sagt: »Es ist keiner gerecht«, keiner ist gut, »auch nicht einer«! (Römer 3:10,23) Jesus sagte sogar, dass die hochmütigen, selbstgerechten, perfektionistischen religiösen Leiter Seiner Zeit Sünder waren, und dass die Huren und Steuereintreiber vor ihnen in den Himmel kommen würden! (Matthäus 21:31) Lass dich also nicht einschüchtern und entmutigen von denjenigen, die so tun, als wären sie dir überlegen und besser als »du armer Wicht«. Sei dir bewusst, dass niemand dir aufzwängen kann, dich unterlegen und minderwertig zu fühlen, es sei denn mit deinem Einverständnis!
Der berühmte Author und Dramaturg Georg Bernard Shaw ist noch ein außerordentliches Beispiel von jemandem, der Schüchternheit und Minderwertigkeitskomplexe überwand und sich dadurch zu einem der geistreichsten, freimütigsten öffentlichen Redner aller Zeiten entwickelte! Auf die Frage, wie er das geschafft habe, entgegnete er: »Auf gleiche Weise, wie ich wie Schlittschuhlaufen gelernt habe indem ich ständig einen Narren aus mir machte, bis ich mich daran gewöhnt hatte.« Als junger Mann war Shaw einer der schüchternsten Menschen von ganz London. Oftmals ging er zwanzig Minuten auf einer Straße auf und ab, bevor er sich traute, bei der Haustür von ihm weniger bekannten Menschen anzuklopfen. «Wenige Menschen», bekannte er, «haben mehr unter Schüchternheit und nackter Feigheit gelitten als ich, und wenige haben sich dessen so furchtbar geschämt!»
Schließlich fand er einen Weg, seine Scheu und Angst zu überwinden. Er entschloss sich, aus seiner größten Schwäche seine größte Stärke zu machen. Er trat einer Debattiergesellschaft in London bei! Er nahm an jedem Treffen teil, in welchem eine öffentliche Diskussion stattfand, und zwang sich förmlich dazu, aufzustehen und an der Debatte teilzunehmen! Mit viel Übung wurde seine Sprachgewandtheit in der Öffentlichkeit immer besser, bis George Bernard Shaw schließlich zu einem der selbstsichersten und brilliantesten Redner des frühen 20. Jahrhunderts wurde!
Mit Gottes Hilfe Schüchternheit überwinden
Für uns Christen gibt es sogar noch einen sichereren Weg, Schüchternheit und Gefühle der Minderwertigkeit zu überwinden, denn wir haben Jesus, den Heiligen Geist und Sein Wort!
Wie kann uns dadurch geholfen werden? Nun, wir haben festgestellt, dass Schüchternheit, Minderwertigkeitskomplexe und Hemmungen im Grunde ihre Wurzel in der Angst und im Stolz haben. Furcht ist das Gegenteil von Glaube. Um Furcht zu überwinden, benötigst du also mehr Glauben. Wie bekommst du mehr Glauben? Indem du die Bibel und Gottes Worte liest! »Glaube kommt durch das Hören von Gottes Wort.« (Römer 10:17) Je mehr Glauben du an Gott hast, desto mehr ist Gottes Liebe in dir, und desto mehr Liebe hast du auch für andere! Du denkst dann mehr an andere als an dich selbst, du bist weniger ich- und mehr Christus-bezogen.
In Jesaja 26:3 steht: »Wer von ganzem Herzen auf Dich sinnt, den bewahrst du in stetem Frieden, denn er vertraut auf Dich.« Vertraue also auf Jesus! Denke an Jesus, und Er wird dir helfen, dich selbst zu vergessen! Versuche von ganzem Herzen, dem Herrn zu gefallen und Ihn an andere weiterzugeben, dann hilft dir der Herr, diese Ich-Bezogenheit zu verlieren. In allem wirst du nur noch an Jesus denken, an Seine Botschaft und Seine Liebe und deine Liebe für andere!
Sanftmütigkeit
Es muss hier jedoch gesagt werden, dass es einen großen Unterschied zwischen Schüchternheit und Sanftmütigkeit gibt. Wer die Geschichte von Moses in der Bibel gelesen oder den Film »Die Zehn Gebote« gesehen hat, mag sich daran erinnern, dass Moses alles andere als schüchtern oder menschenscheu war. Doch in der Bibel heißt es, dass er »sehr sanftmütig (demütig) war, mehr als alle Menschen.« (4. Mose12:3) In der Bibel steht: »Euer Schmuck sei der eines sanften (demütigen) und stillen Geistes, der kostbar ist in Gottes Augen.» (1. Petrus 3:3-4)
Wenn hier geraten wird, Schüchternheit zu überwinden, dann heißt das nicht, dass vorlaute, angeberische und rücksichtslose Charaktereigenschaften Pluspunkte bei deinen Mitmenschen einholen! Wir möchten damit einfach sagen, dass du nicht so sehr um dich selbst besorgt sein solltest, und Schüchternheit dich daran hindert mit anderen zu sprechen und offen und ehrlich mit anderen zu sein und letztendlich Ihnen von deinem neugefundenen Glauben in Jesus zu erzählen. Jemand, der demütig und sanftmütig ist, ist sich seiner eigenen Fehler, Schwächen und Unzulänglichkeiten sehr wohl bewusst; doch er ist sich des Herrn Gnade, Stärke und Kraft noch viel mehr bewusst. Deshalb schöpft er seine Kraft und seinen Mut nicht aus seiner eigenen Persönlichkeit, sondern aus seinem unerschütterlichem Glauben und Vertrauen in Gott! Sanftmut ist nicht Mangel an Mut, sondern göttliche Stärke aufgrund der eigenen Schwäche!