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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

Im November 2003 ging ich in Finnland Tür zu Tür, um für ein Jugend-Camp Spenden zu sammeln, bei dem dann ich einige Monate später als Ko-Gastgeberin fungieren würde. In einer alten, schmuddeligen Bar traf ich Tino, ein etwas übergewichtiger, älterer Mann mit einem langen, struppigen Bart, der neugierig von seiner Zeitung aufschaute, als die Tür bei meinem Eintreten hinter mir zuschlug.

Wie sich herausstellte war er der Besitzer dieser Bar und zu diesem Zeitpunkt waren keine Gäste anwesend. Ideal, dachte ich und fing an ihm meine ehrenamtliche Tätigkeit zu erklären. Nachdem ich ihm einige Seiten meiner Präsentationsmappe gezeigt hatte, sagte Tino freundlich, dass er nicht interessiert sei, wenn ich etwas verkaufen wolle, da es ihm finanziell nicht gut gehen würde.

»Ich durchlebe grad eine schwere Depression. Mein Doktor meint, dass es helfen soll, mich den Wärmestrahlen da auszusetzen« und zeigte auf ein Neonlicht hinter der Bar. »Viele meiner Freunde sind vor kurzem gestorben, und alle wegen dem Alkohol. Niemanden schien es zu kümmern, als sie starben. Mittlerweile glaub ich, dass ich der Nächste an der Reihe bin und befürchte, dass mich das gleiche Schicksal ereilen wird«. Aber wird das wirklich irgend jemanden kümmern?

Er fuhr fort, ausführlich von seinen Problemen zu berichten – der übermäßige Alkoholkonsum, dass er nicht einschlafen könne ohne vorher eine Flasche Vollprozentigen zu trinken, von seinen vielen Schulden und am schlimmsten, von seinen Depressionen. Als ich fragte, ob er an Jesus glaube, antwortete er, »da bin ich mir nicht sicher.«

Jesus bitte mach mich zu einem Gefäß deiner Liebe mit deinen Antworten für diese verlorene und müde Seele, betete ich leise. Dann erzählte ich Tino, wie Jesus wieder Licht in sein Leben bringen kann. »Er ist die Lösung für all deine Probleme. Die Bibel sagt, er ist eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.« Wir redeten über eine Stunde lang. Es tat mir in der Seele weh und meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich mich in die Lage dieses armen, verzweifelten Mannes versetzte und mir vorstellte, wie es für ihn sein musste, Jesus seine bedingungslose Liebe und den Frieden nie erfahren zu haben.

»Erzählen Sie diese Dinge jedem, den Sie treffen?« fragte er. »Nein«, antwortete ich,« wenn ich ein tiefes Gespräch mit jemand führe bete ich zu Gott, dass ich genau das sage, was Jesus der Person mitteilen möchte.«

Mittlerweile waren auch Tinos Augen mit Tränen gefüllt und ich wusste, dass Jesus zu seinem Herzen sprach und mit einen Hoffnungsschimmer etwas Licht seine dunkle, düstere Welt gebracht hatte.

Ich sagte ihm, dass Jesus tatsächlich unsere Gebete beantwortet und berichtete ihm von einigen Wundern, die er für mich gewirkt hatte – wie z.B. die Heilung meines Fußes. Vor kurzem durchlebte ich nach einem Unfall qualvolle Schmerzen und musste ausgerechnet dann mit dem Zug und einer Menge Gepäck innerhalb von zwei Tagen nach Finnland reisen. Aufgrund der Schmerzen konnte ich noch nicht mal einen Schuh anziehen und betete verzweifelt, dass der Herr meinen Fuß heilen möge. Wunder über Wunder konnte ich innerhalb von wenigen Minuten wieder fast völlig normal gehen. Somit schaffte ich es rechtzeitig nach Finnland und hier war ich nun!

Tino zeigte mir seine Hände, deren Zustand ich zuvor nicht bemerkt hatte. Sie waren trocken und schuppig – eine allergische Reaktion auf die Münzen mit denen er täglich in Kontakt kam, erklärte er. Ich hielt seine Hände und betete, dass Jesus sie heilen würde, auch dafür, dass sein Bankdarlehen durchkommen würde, er die Bar nicht verlieren und er Jesus in sein Herz hinein bitten würde. Als ich mit dem Gebet fertig war und wir die Augen öffneten, war er wieder in Tränen und für eine Weile unfähig etwas zu sagen. Zitternd schrieb er mir seine Adresse auf und ich gab ihm einige Activated Magazine, die dafür bestimmt waren seinen Glauben zu stärken. Als ich aufstand, um zu gehen und er mich um eine Umarmung bat, wusste ich, dass die letzten anderthalb Stunden mit Sicherheit nicht verschwendet waren.

Zwei Jahre später besuchte ich Finnland wieder und natürlich Tino. Der Herr hatte wirklich wunderbar in seinem Leben gewirkt, aber anders als wir beide erwartet hatten. Er hatte seine Bar aufgeben müssen und einen Job als Barkeeper angenommen. »Es war zum Besten«, sagte er und es war offensichtlich, dass er meinte, was er sagte. Er war glücklich, gesprächig und ein völlig neuer Mensch. »Jetzt habe ich viel weniger Sorgen und viel mehr Zeit, das Leben zu genießen und mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen zu sein«, sagte er lächelnd. Seine Hände waren zwar noch nicht völlig geheilt, jedoch sein Geist erfuhr Heilung und das war wohl, was er am meisten benötigte. Vor mir stand mit Sicherheit nicht mehr derselbe depressive, verdrossene Mensch dem ich zwei Jahre vorher begegnet war. Ein bisschen Liebe – Gottes Liebe – hatte sein Leben von Grund auf verändert.


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