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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

STIRB LANGSAM UND STIRB JUNG!

– Wie meine Essstörung mir
beinahe das Leben kostete



Von Niki Rudow

Sind »Extrem-Hungerkuren« sinnvoll? Bevor du antwortest, lass mich berichten, wie es mir ergangen ist.

Als Kind war ich immer die Größte in meiner Klasse. Ich wog gewöhnlich mehr als all meine Klassenkameradinnen, aber ich war nie dick, sondern hatte nur einen kräftigen Knochenbau. Schon mit sechs Jahren machte ich mir über mein Gewicht Sorgen, ich wollte lieber mager und dünn sein. Ich beobachtete meine beiden älteren Schwestern, damals in ihrer Pubertät, wie sie mit Gewichtsproblemen kämpften, und ich war entschlossen, dem vorzubeugen.

Jedoch genoss ich es, zu essen und besass nicht all zu viel Willenskraft. Um meinen 14. Geburtstag herum begann ich, »ziemlich in die Breite zu gehen«. Mit meinem Spitzengewicht befand ich mich weit über den normalen medizinischen Werten – im Anbetracht meines Geschlechts, Alters und meiner Größe. Ich musste an Gewicht verlieren, aber erwartete nicht, dass meine Anstrengungen in Besessenheit und in eine schreckliche Krankheit ausarten würden.

Es begann mit einer simplen Diät – indem ich bei jeder Mahlzeit immer ein bisschen weniger aß. Auch fing ich an, ein paar mal in der Woche Gymnastik zu treiben. Das half mir, nach und nach ein paar Pfunde los zu werden. An meinem 16. Geburtstag befand ich mich wieder innerhalb der angemessenen Gewichtsklasse. Aber ich war noch nicht zufrieden.

Mein Ziel für das nächste Jahr war, noch mehr ab zu nehmen, was ich nun durch etwas striktere Essgewohnheiten realisierte. Mindestens fünf Mal die Woche machte ich Gymnastik. Ich erreichte mein Ziel, aber ich kam mir immer noch zu dick vor. Ich dachte auch, dass mich die Jungs mehr beachten würden und ich bei den Mädchen beliebter wäre, wenn ich dünner wäre. Also entschloss ich mich, diese Art der Diät einzuhalten, bis ich mit mir selbst zufrieden sein würde. Zu der Zeit kam mir die brillante Idee, mich dazu zu bringen, mich nach dem Essen zu übergeben. Denn, letztendlich was nicht drinnen bleibt, kann sich auch nicht in Fett verwandeln. Ich wurde bulimisch (ess- brechsüchtig).

Das zog sich über etliche Monate hin. Dann rastete in mir irgendwas aus und ich verlor völlig die Kontrolle über meine Essgewohnheiten. Obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon am untersten Ende der Größen- und Gewichtsskala angelangt war, war ich der Überzeugung, noch dünner sein zu müssen. Ich aß kaum noch was und wunderte mich, warum ich einfach keine Energie mehr hatte. Ich war außerdem so von meiner Gymnastik besessen, um mehr Gewicht zu verlieren, dass ich mitten in der Nacht aufwachte, um Übungen zu machen, wenn am nächsten Tag keine Zeit dafür war.

Eines Tages hatte ich Blutungen im Magen und im Hals. Im Internet hatte ich Berichte gelesen, dass in extremen Fällen die Bulimie dafür verantwortlich sei. Das machte mir Angst, aber es war mir nicht möglich aufzuhören.

Zu dieser Zeit war ich so dünn, dass mir alle rieten mit dieser Extremdiät auf zu hören, doch ich war immer noch der festen Überzeugung, dick zu sein. Ich genoss die Aufmerksamkeit – jeder erzählte mir, dass ich dünn aussähe, was ich mit gutem Aussehen gleichsetzte. Trotzdem, wenn ich nur noch ein kleines bisschen mehr Gewicht verlieren würde – dachte ich – könnte ich mit mir zufrieden sein und alles würde in Ordnung sein.

Ich nahm immer mehr ab. Meine Eltern machten sich Sorgen und mein Freund forderte mich auf: »Niki, jetzt reicht’s!« Aber wenn ich in den Spiegel schaute, kam ich mir dick vor. Mein Sichtweise war mittlerweile so verdreht, dass ich ein gefühlsmäßiges »high« hatte, wenn mein Magen völlig leer war – stolz auf mich selber, sauber und glücklich. Aber wenn sich auch nur das kleinste bisschen Essen in meinem Magen befand, kam ich mir scheußlich und schmutzig vor.

Meine Essstörung beeinflusste auch meinen Charakter. Von Natur aus bin ich ein kontaktfreudiger Mensch – eine gesprächige, kompromisslose und »verrückte Draufgängerin«. Ich bin liebend gern mit Freunden zusammen und rede gerne, aber während dieser Zeit war ich von meinem Gewicht und Körper dermaßen besessen, dass ich aufhörte, die Einladungen meiner Freunde anzunehmen, um etwas zu unternehmen. Besonders wollte ich mich mit niemanden treffen, wenn in irgendeiner Form Essen eine Rolle spielte. Ich zog mich in mich selbst zurück, da ich so von meiner Gewichtsabnahme besessen war, dass ich einfach nichts anderes mehr sehen konnte. Wie ein Freund es mal beschrieb: »Mit deinen Kurven ist auch deine Persönlichkeit verschwunden« – und das entsprach der Wahrheit. Meine Essstörung versetzte mich in einen depressiven Gemütszustand. Es war mir mittlerweile gleichgültig, ob ich tot oder lebendig war, und ich spielte sogar mit dem Gedanken, Selbstmord zu begehen.

Als jemand in meiner Familie starb, wurde ich mir bewusst, wie kostbar das Leben eigentlich ist. So wie ich meinen Körper misshandelte, wusste ich, dass ich vielleicht sogar die Nächste an der Reihe war. Für zwei Wochen strengte ich mich an zu essen, aber mir graute es davor, dick zu werden. Ich hatte einen Rückfall in die Extrem-Hungerkur und verlor sogar noch mehr Gewicht. Ich sah ziemlich ausgemergelt aus. Ich litt unter ständiger Erschöpfung, Bleichsucht und jede Menge anderer Beschwerden, und sogar meine Regel hatte sich eingestellt.

Zu guter letzt machte mir Gott klar, dass ich dabei war, mich langsam selber umzubringen. Wenn sich Essstörungen dermaßen extrem ausarten, sind sie eine Sucht – ein sehr ernst zunehmendes geistiges und seelisches Problem, dass man fast unmöglich selber ohne Gottes Hilfe lösen kann.

Von nun an bat ich meine Eltern jedes Mal für mich zu beten, wenn ich mir dick vorkam, und das war meine Rettung! Eines Tages stieg ich auf die Waage und stellte fest, dass ich 1 Kilo zugenommen hatte – ich war etliche Stunden am flennen, bis mein Vater nach Hause kam und für mich betete.

Ich setzte auch ein Gebetsanliegen auf eine »Gebetsliste«, die regelmäßig bei Familie und Freunden zirkuliert, um füreinander zu beten. Ich bat um Gebet gegen Anorexie und Bulimie und dafür, dass ich zunehmen würde. Es war sehr demütigend, aber der Herr segnete es, dass ich mein Problem eingestand, und dadurch eine klare Stellung bezog. Langsam nahm ich wieder an Gewicht zu.

Jetzt, zu dem Zeitpunkt, an dem ich dies schreibe, bin ich noch nicht völlig über diese Essstörung hinweg. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, halte ich mich immer noch für dick, obwohl ich das nach normalen Maßstäben keineswegs bin. Ich muss einfach mit aller Kraft beten und den Herrn bitten, solche Gedanken, die nicht von ihm stammen ab zu wehren. Es ist ein geistiger Kampf!

Es gab Zeiten, in denen ich in Bulimie zurückfiel und wieder abnahm. Aber jedes mal, wenn ich mich verzweifelt anstrengte, mit mir selber und anderen ehrlich wurde und um Gebet bat, hat Gott mir geholfen, ein bisschen weiter zu kommen. Ich kann jetzt ohne Schuldgefühle vernünftig essen und sehe wieder normal aus – obwohl die meisten Leute sagen würden, dass ich immer noch recht dünn aussehe. Ich habe gesundheitlich noch einige Schwierigkeiten, weil ich meinen Körper so vernachlässigt habe, aber Gott macht mich langsam aber sicher wieder gesund, und dafür bin ich äußerst dankbar!

Wenn du in deinen Gedanken mit Anorexie oder Bulimie liebäugelst, LASS DICH NICHT DARAUF EIN! Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das dein Leben und deine Gesundheit ruiniert und es braucht eine übermenschliche Anstrengung, um davon wieder los zu kommen. Bitte deine Eltern oder einen Freund für dich zu beten und sag dir immer wieder selbst : »Ich bin, wie ich bin! Ich bin attraktiv, denn Gott kreiert mit Sicherheit keinen Ramsch!«


Niki Rudow ist Mitarbeiterin von The Family International in Japan




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