Gute Führungskräfte scheinen eines gemeinsam zu haben: die Fähigkeit, in Mitarbeitern das Beste hervorzubringen. Ob sie nun Chefs sind, Manager, Teamleiter oder sonstige Vorbilder, alle haben zwangsläufig gelernt, nicht das Problem im Fokus zu haben, sondern den Menschen und sein Potenzial. Wenn jemand einen Fehler macht oder ineffizient arbeitet, reagiert solch ein Teamleiter nicht wütend, indem er kurzerhand die Aufgabe selber übernimmt, sondern motiviert und ermutigt den Betreffenden, es so lange zu versuchen, bis er es richtig macht und lobt ihn dann entsprechend dafür.
Nun, möglicherweise könnte der Chef eine bestimmte Aufgabe selber besser oder schneller erledigen. Lässt er dies aber zur Gewohnheit werden, wird er am Ende fast alles selber machen. Wenn es viel zu tun gibt, muss eine Führungskraft delegieren können, und das erfordert Vertrauen in die Mitarbeiter, Glaube an ihre Talente, Training ihrer Fähigkeiten und dann Anerkennung für das Geleistete. Er sollte nicht nur die dafür nötige Weiterbildung anbieten, sondern den Betreffenden die gestellten Aufgaben auch zutrauen. Die Nachwuchskräfte sollten Vertrauen darin haben, ihre neuen Aufgaben erfolgreich meistern zu können. Zudem sollte die Führungskraft die Lernenden für ihre Anstrengungen loben, selbst wenn nicht alles perfekt ist. Mit der Zeit werden die meisten Trainees lernen, ihre Arbeit richtig zu machen. Wenn sie allerdings immer nur hören müssen, was sie alles falsch machen oder wie sie es hätten besser machen können, werden nur wenige gewillt sein, weiterhin ihr Bestes zu geben.
Ganz gleich, wie talentiert ein Teamleiter sonst auch sein mag, wenn es bei seiner Zusammenarbeit mit anderen hapert, werden ihn die Mitarbeiter, die er versucht zu führen, über kurz oder lang ablehnen und ihm misstrauen. Menschen vertrauen den Personen, von denen sie wissen, dass sie sich auch um sie kümmern. Und dieses Vertrauen baut der Vorgesetzte auf, indem er persönliches Interesse zeigt, sich um die Belange der Mitarbeiter kümmert und großzügig Lob und Anerkennung spendet. Menschen, die kontinuierlich diese positive Bestärkung erhalten, geben allgemein ihr Bestes, um die Erwartungen ihres/ihrer Vorgesetzten zu erfüllen.
Der Menschenkenner und Erfolgsautor Dale Carnegie beschrieb das Beispiel eines Vorgesetzten, der dieses Prinzip verstanden hatte. Der Geschäftsinhaber Günter Schmidt hatte ein Problem: Eine seiner Angestellten war immer wieder nachlässig darin, die Preisschilder den Waren auf den Regalen richtig zuzuordnen. Erinnerungen und Ermahnungen erwiesen sich als wenig hilfreich. Nachdem Schmidt wegen der vielen Kundenbeschwerden mit seiner Geduld am Ende war, rief er schließlich die Mitarbeiterin in sein Büro. Statt ihr aber den von ihr erwarteten Rüffel zu erteilen, eröffnete er ihr, dass er sie hiermit zur Aufseherin über das Etikettieren im gesamten Geschäft ernennen würde. Es gehörte nun zu ihrem Verantwortungsbereich, dass alle Regale im Geschäft ordentlich mit Preisschildern ausgezeichnet waren. Und sie erfüllte diese Funktion von diesem Tag an zur vollsten Zufriedenheit. Alles, was sie gebraucht hatte, war ein Ausdruck des Vertrauens von ihrem Vorgesetzten, indem er ihr etwas mehr Verantwortung übertrug.
Wer nach Erfolg strebt, tut nicht das, was er will, sondern das, was getan werden muss.