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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

STILLE NACHT!

Die Entstehungsgeschichte des
berühmten Weihnachtsliedes





Worte: Josef Mohr (1792 - 1848)
Melodie: Franz Gruber (1787-1863)

Obwohl die Kompositionen von Händels »Messias« und Bachs »Weihnachtsoratorium« im 18. Jahrhundert geholfen hatten, vielen Menschen den Sinn des Weihnachtsfestes nahezubringen, fehlte doch weiterhin ein einfaches Lied für »jedermann«. Dieses Lied wurde schließlich in »Stille Nacht« gefunden. Die Worte dafür wurden von Josef Mohr, einem Priester in einem österreichischen Dorf geschrieben und die Melodie von Franz Gruber, dem Organisten der Kirche.

In Salzburg geboren, diente Josef in seiner Jugend als Chorknabe und wurde später Vikar an der Pfarrkirche der kleinen Stadt Oberndorf, nicht weit von der Stadt Salzburg.

Franz Gruber war der Sohn eines Leinenwebers. Sein Vater versuchte ihn dazu zu bewegen, den gleichen Beruf zu ergreifen, doch Franz war von früher Kindheit an von Musik begeistert. So schlich er sich ohne seines Vaters Wissen heimlich zum Hause seines Schulmeisters, um dort Orgel spielen zu lernen.

Als der Schulmeister einmal krank war, hätte es im Gottesdienst kein Orgelspiel gegeben, wenn nicht Franz (damals l2-jährig) sich bereit erklärt hätte einzuspringen. Er bekam die Erlaubnis, und so spielte er die Musik für den gesamten Gottesdienst aus dem Gedächtnis! Danach ließ sein Vater ihn regelmäßig Musikunterricht nehmen. Im Alter von 20 Jahren wurde Franz nach Abschluss seiner übrigen Studien Lehrer und Organist.

Am 24. Dezember 1818 hörte Herr Mohr besorgt zu, als sein Organist und Freund Franz Gruber ihm davon berichtete, dass die Kirchenorgel für die mitternächtliche Christmesse am Heiligabend nicht zur Verfügung stehen würde. Der Blasebalg war durch Mäusefraß so zerstört, dass ein Fachmann kommen musste. Wegen des tiefen Schnees würde dieser jedoch nicht früh genug eintreffen können, um die Orgel rechtzeitig zur Messe instandzusetzen.

Während Kaplan Mohr nicht wusste, wie er die Messe ohne die herkömmliche Orgelmusik gestalten sollte, wurde er zu einer Bäuerin gerufen, um deren neugeborenes Kind zu segnen. Mittlerweile war Gruber in wachsender Verzweiflung und Enttäuschung zum Orgelboden zurückgekehrt, wo er hin und her schritt und versuchte eine Lösung für das Problem zu finden, das mit jeder verstreichenden Stunde verzwickter zu werden schien.

Vielleicht hatte der Anblick des neugeborenen Kindes in den Armen der Mutter, den Kaplan Mohr an Maria mit dem Jesuskind erinnert, denn als der Priester durch den Schnee jener sternklaren Nacht heimging, dachte er an jenes erste Christfest, als die Engel zu den erstaunten Hirten sangen. Wieder heimgekehrt überdachte er die Ereignisse und fühlte sich geleitet, seine Empfindungen in Worte zu kleiden. Bald begannen die Worte ohne große Anstrengung aus seiner Feder zu fließen. Kaum hatte er einige Zeilen zu Papier gebracht, so kamen ihm schon eine Menge neuer Wörter und Zeilen in den Sinn. Und bevor er es gewahr wurde, hatte er einige einfache Verse aufgeschrieben.

Obwohl er keine Musik für diese Verse hatte, wollte er, dass diese als Lied bei der Christmesse gesungen werden sollten. Er eilte zu seinem Freund Franz und bat ihn, eine Melodie für seine Worte zu finden. Während er seinem Freund ein Blatt mit den neuen Versen gab, sagte er: »Franz, schreibe eine Melodie für mein neues Gedicht, dann werden wir es zur Mitternachtsmesse singen – ob mit oder ohne Orgel!« Mohr schlug vor, eine Gitarrenmusik zu komponieren, doch Gruber protestierte, er sei Organist, nicht Gitarrist und ganz gewiss kein Komponist. Mohr wischte seine Bedenken beiseite, indem er erklärte: »Du kennst doch sicher drei Gitarrengriffe.« Gruber nickte, und der Pfarrer fuhr fort: »Dann halte die Melodie so einfach wie möglich, setze sie zu diesen drei Griffen, und wir werden das neue Weihnachtslied heute abend zu deiner Begleitung singen.«

Gruber machte sich daran, den Wunsch von Mohr zu erfüllen, und in etwa einer Stunde hatte er die neue Melodie geschaffen. Er brachte sie dem Priester, dem sie sehr gefiel. In der Christmesse 1818 sangen die beiden Männer Tenor und Bass. Zusammen mit zwei Sängerinnen bildeten sie ein Quartett, begleitet von Kaplan Mohrs italienischer Gitarre, und schenkten so der Welt ein neues Weihnachtslied.

Schließlich hatte Orgelbauer Karl Mauracher im Zillertal den Brief Grubers mit der Bitte erhalten, die Orgel instand zu setzen. Nachdem er das Instrument repariert hatte, setzte sich Franz Gruber daran, um es auszuprobieren. Auch Kaplan Mohr war an jenem Nachmittag in der Kirche und bestand darauf, dass Gruber das neu komponierte Weihnachtslied spielen sollte. Als Mauracher es hörte, war er begeistert, verliebte sich sofort in die Melodie und erbat sich von Gruber eine Abschrift des neuen Liedes. Er bat darum, es auf dem Rückweg mit ins Zillertal nehmen zu dürfen, damit er es den Sängern und Musikanten dort geben konnte, die immer auf der Suche nach neuen Liedern waren.

So erhielt Mauracher also eine Abschrift, die er mit in seine Heimat nahm. Die Zillertaler waren ergriffen und nannten es den »Gesang des Himmels«. Zehn Jahre später hörte Mauracher vier Kinder mit ganz besonders guten Stimmen: Karoline, Josef, Andreas und Amalie Strasser. Er lehrte sie das Weihnachtslied und sie sangen es gern.

Da ihre Eltern hervorragende Handschuhmacher waren, reisten sie alljährlich zur großen Leipziger Messe, um ihre Handschuhe zum Verkauf anzubieten. In Leipzig sangen die Kinder oft vor dem Stand ihrer Eltern oder auf der Straße, um für die Waren zu werben. Zu ihrer großen Überraschung wurden sie von Herrn Pohlenz, dem Generaldirektor des Königlich Sächsischen Konservatoriums zu einem Konzert eingeladen; als er sie eines Tages auf der Straße singen hörte.

Am Ende des planmäßigen Programmes lud Herr Pohlenz sie ein, auf die Bühne zu kommen und vor dem Königspaar von Sachsen zu singen. Obwohl die jungen Strassers nervös waren, standen sie auf, kamen nach vorne in den Saal und sangen eine Auswahl ihrer Lieder, darunter auch ihr Lieblingsstück, den »Gesang vom Himmel«. Ihr Gesang fand sensationellen Beifall und so wurden sie am Heiligabend 1832 in den Palast eingeladen, um vor der königlichen Familie zu singen.

»Stille Nacht« wurde 1840 erstmals in Leipzig als »Tiroler Weihnachtsgesang« veröffentlicht, mit dem Zusatz »Hymne unbekannten Ursprungs – Verfasser und Komponist unbekannt«.

Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV, hörte »Stille Nacht« zum ersten Mal im Jahr 1854, als es vom ganzen Chor der Staatskirche in Berlin gesungen wurde. Er bestimmte, dieses Lied solle bei allen Weihnachtskonzerten seines Landes Vorrang haben; außerdem wies er seine Hofmusikanten an, zu versuchen, die Namen des Verfassers und Komponisten herauszufinden.

In jenem Jahr kamen diese Männer zu den Mönchen des Salzburger Petri-Klosters, um von diesen vielleicht irgendwelche Auskünfte über den Ursprung des Liedes zu erhalten. Durch einen glücklichen Umstand hörte dort ein Chorknabe, der Sohn von Franz Gruber, von den Nachforschungen und überzeugte die Mönche bald davon, dass es seines Vaters Musik war. Jahre später (1897) wurde an der Schule, in der Franz Gruber gelehrt hatte, eine Ehrentafel angebracht.

Es wird angenommen, dass »Stille Nacht« das am weitesten verbreitete Weihnachtslied ist. Es wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt und wird heute in einigen der entlegensten Ländern gesungen. Von einem kleinen österreichischen Ort hat es sich über die ganze Welt verbreitet.


* * *

1. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
2. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O wie lacht
Lieb´ aus deinem göttlichen Mund,
Da schlägt uns die rettende Stund´.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt!

3. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn
Uns der Gnaden Fülle läßt seh´n
Jesum in Menschengestalt,
Jesum in Menschengestalt

4. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt,
Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß,
Aller Welt Schonung verhieß.

6. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!
Jesus der Retter ist da!

Text: Joseph Mohr, 1816

Melodie (Komposition): Franz Xaver Gruber, 1818 Autograph VII (Hallein um 1860) Quelle: DenkVII (Hallein um 1860) Quelle: Denkmäler der Musik in Salzburg Band 4, S.17 (Copyright: Comes Verlag), www.stillenacht.at



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