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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

OMA ENGEL

Von Marina Grünhage



Es ist schon erstaunlich, was unser himmlischer Vater alles in Bewegung setzt, um seine Kinder glücklich zu machen. Er liest unsere Gedanken und weiß von unseren innersten Herzenswünschen. Wenn wir doch nur den Glauben eines kleinen Kindes haben könnten, dann würde er uns weit mehr geben können, als uns jemals im Traum einfallen würde. Einst hatte ich diese Art kindlichen Glauben und auf genau die Art belohnte er meinen Glauben auch.

Meine Eltern waren im Alter schon etwas vorangeschritten, als ich auf die Welt kam, und keine der Großeltern waren mehr am Leben. Irgendwie vermisste ich es, eine Oma zu haben. Auch fehlten mir im Grunde Brüder und Schwestern, da meine Schwester und sogar ihre drei Jungs – meine Neffen – alle älter als ich waren. Meine Neffen waren eine Zeitlang wie Brüder für mich, allerdings zogen meine Eltern und ich bald um, und seitdem war ich oft ziemlich einsam, ich erinnere mich noch, wie ich als fünfjährige an der Straße gegenüber vom Haus ganz alleine unter den Bäumen spielte.

Ab und zu spazierte eine bestimmte ältere Frau vorbei, während ich dort spielte und sie hatte dabei immer das allersüßeste Lächeln auf dem Gesicht. Eigentlich kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wer von uns beiden mit dem Anlächeln begonnen hatte, nichtsdestoweniger fingen wir an, uns gegenseitig mit einem freundlichen Grinsen und einem heiteren Hallo zu begrüßen. Es dauerte nicht lange, bis wir Freunde wurden und zudem lebhafte Gespräche miteinander führten. Unsere kurzen Begegnungen entwickelten sich für uns beide zu etwas Besonderem, dem wir mit Freuden entgegensahen – und da war noch der Name dieser lieben Dame, sie hieß »Frau Engel«.

Im Laufe der folgenden Monate entwickelte sich zwischen uns eine warme Freundschaft und häufig plapperte ich darüber zu meinen Eltern. Als sich dieses Jahr Weihnachten näherte, backte meine Mutter den üblichen Weihnachtsstollen, mit leckeren Rosinen und Marzipan. Während ich ihr dabei half, den Teig zu rühren, fragte sie mich, »So, was wünscht du dir denn dieses Jahr zu Weihnachten?«

Ich zählte ein paar der üblichen Wunschideen auf, die einer fünfjährigen in den Sinn kommen – ein Stofftier, einen Kinderwagen für meine Puppe – bis ich mit einem Seufzer ausstieß, »Aber was ich wirklich haben möchte, ist eine Oma, die uns zu Weihnachten besuchen würde.« Dann fügte ich wehmütig hinzu, »Frau Engel wäre solch eine gute Oma!«

Ein paar Tage vor Weihnachten fragte ich meine Eltern, »Meint ihr, es wäre gut, wenn ich Frau Engel fragen würde, ob sie meine Oma sein will?«

Nachdem sie etwas darüber nachgedacht hatten, stimmten sie darüber überein, dass es nichts schaden würde, sie zu fragen. Ich war ziemlich aufgeregt, und auch nervös.

»Frau Engel«, nervös und vorsichtig versuchte ich meine Frage zu formulieren, als ich meine Freundin das nächste Mal wiedertraf, »Ich wollte schon immer eine Oma haben und ich hab Jesus gefragt, ob er mir eine geben kann. Dann hab ich dich getroffen und ich mag dich ganz doll. Würde es dir was ausmachen, wenn ich Oma zu dir sage?«

Zu meiner Erleichterung war Frau Engel entzückt von der Idee. Sie strahlte vor Freude und ihr Lächeln war wie ein Sonnenaufgang und all die kleinen Fältchen wie Sonnenstrahlen, die in alle möglichen Richtungen schienen, und ihr glänzendes Silberhaar verlieh ihr einen Schimmer, der ihr Gesicht noch heller leuchten ließ. Ich machte Freudensprünge, als sie erwiderte, »Und ich wollte schon dasselbe vorschlagen! Aber ja doch, ich wäre liebend gerne dein Oma!« Anschließend gaben wir uns eine ganz lange Umarmung.

Heilig Abend besuchte Oma Engel uns also. Sie schloss uns in ihr Herz, wie wir auch sie in unser Herz schlossen.

Die nächsten zwölf Jahre war sie solch eine treue und liebevolle Oma, wie man sich es nur wünschen kann. Sie schätzte und verwöhnte mich und versäumte es nie, zu meinem Geburtstag und zu Weihnachten etwas Besonderes für mich zu tun. Als ich zehn war, hatte ihre Tochter das erste Baby, und ihre großmütterlichen Pflichten weiteten sich demnach aus. Sie bezog mich bei der Fürsorge für die kleine Christina völlig mit ein, und bat mich sogar, ihre Patentante zu sein.

Oma Engel, ein wahrer »Engel«, von Jesus geschickt und das kostbarste Weihnachtsgeschenk, das ich jemals bekommen hatte, kehrte dann in himmlische Gefilde zurück, als ich gerade siebzehn war. Ich werde sie wohl nie vergessen, noch die Liebe, die Jesus mir durch dieses besondere Geschenk in der Form von Oma Engel geschenkt hatte.

Wenn wir mit dem Glauben eines kleinen Kindes bitten, dann bringt Gott die Antwort oftmals direkt an unsere Türschwelle.

Marina Grünhage (1947-2005) war über 30 Jahre lang vollzeitige
Freiwillige mit
The Family International.



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