Ein vor etwa zwei Jahren erschienener Film von Christian Carion, Merry Christmas, erzählt die Geschichte einer historisch belegten Begebenheit auf einem Kriegsschauplatz in Frankreich am Weihnachtsabend des Jahres 1914.
An einem Kriegsmanöver des »Krieges aller Kriege«, dem 1.Weltkrieg, waren etwa 3000 schottische, französische und deutsche Truppen beteiligt. Zu Heilig Abend begann die deutsche Seite, »Stille Nacht« zu singen. Die Schotten antworteten mit Dudelsack-Begleitung, und bald sangen alle drei Seiten aus ihren 100 Metern voneinander entfernten Schützengräben dasselbe Lied gemeinsam. Man stelle sich vor, wie die Soldaten zusammen in drei verschiedenen Sprachen aus den selben Schützengräben sangen, von denen sie wenige Stunden zuvor versucht hatten, sich gegenseitig umzubringen. Was für ein Gegensatz!
Von der Wärme jenes allseits beliebten Liedes zum Frieden schließen bewegt, trauten sich die Kriegsparteien aus ihren Gräben und einigten sich auf einen inoffiziellen Waffenstillstand. An manchen Stellen entlang der Gefechtslinie dauerte der weihnachtliche Waffenstillstand 10 Tage an. Feinde tauschten untereinander Fotos aus, sowie Adressen, Schokolade und andere kleine Geschenke. Die Soldaten fanden heraus, dass sie mehr miteinander gemeinsam hatten, als sie dachten, einschließlich einer Katze, die von einer Seite zur anderen streunte und mit allen Freunde machte, und von beiden Seiten zum Maskottchen ernannt wurde.
Die früheren Feinde kommunizierten so gut es ging in den Sprachen der anderen Parteien. »Wenn wir Paris einnehmen, dann ist alles vorbei. Dann können Sie mich auf einen Drink in Ihr Haus in der Rue Vavin einladen!« schwor der deutsche Bataillonsführer Horstmayer, dem französischen Oberstleutnant Audebert feierlich, »Oh, aber Sie müssen nicht erst Paris erobern, um in meinem Haus etwas zu trinken zu bekommen«, entgegnete Audebert.
Die Freundschaft, die zwischen den verfeindeten Parteien entstanden war, ging über banale Höflichkeiten hinaus. Am Morgen nach der Beendigung des weihnachtlichen Waffenstillstands warnte jede Seite die andere vor Artilleriebeschuss, der von ihren Artillerieeinheiten ausging. Die neu geformte Kameradschaft war so stark, dass jede Seite sogar Soldaten der gegnerischen Seite in ihren Gräben Schutz gewährte.
Wie kam es zu dieser unbeschreiblichen Verwandlung? Es begann alles mit der gemeinsamen Liebe zur weihnachtlichen Musik.
Dieser Vorfall erinnert uns daran, dass es ein Mittel gegen den Krieg gibt, und zwar liegt es darin, aufzuhören, die Missgunst zu unseren Gegnern zu schüren und stattdessen zu lernen, sie zu lieben, wie Jesus es uns ans Herz gelegt hat (Matthäus 5:44). Das ist viel leichter gesagt als getan, sagen manche, und es stimmt. Aber es ist nicht unmöglich. Wir müssen über die oberflächlichen Unterschiede wie Rasse, Hautfarbe und Religion hinaussehen und uns klar machen, dass wir alle ein gemeinsames Bedürfnis haben das Bedürfnis nach Liebe. Jeder hat das Verlangen danach, zu lieben und geliebt zu werden. Wenn wir alle uns bemühen würden, jene besser kennenzulernen, mit denen wir wenig Gemeinsamkeiten haben, dann können wir ähnlich den Soldaten auf jenem Schlachtfeld herausfinden, dass es einiges mehr gemeinsam gibt, als wir eigentlich dachten.
Jesus sagte seinen Nachfolgern unter anderem, »Selig sind die Friedfertigen, denn sie sollen Gottes Kinder heißen« (Matthäus 5:9). Man bedenke, dass sich das Land Judäa zu jener Zeit in Aufruhr befand. Die Römer waren eine grausame und unterdrückende Besatzungsmacht, die jeglichen Widerstand im Keim erstickte. Der von den Römern unterstützte König Herodes hatte aus persönlichen Motiven heraus versucht, den neugeborenen Prinzen des Friedens umzubringen, anhand eines Massakers an allen männlichen Neugeborenen in Bethlehem. Während Seiner gesamten aktiven Zeit in der Öffentlichkeit, war das Leben Jesu oft in Gefahr, weil die eifersüchtigen religiösen Leiter Seines eigenen Volkes darauf aus waren, Ihn loszuwerden.
Jedoch trotz allen Hasses, den der Teufel gegen Jesus aufbringen konnte, gewann letztendlich dennoch die Liebe. Gegen Ende des irdischen Lebens von Jesus, als seine Feinde es endlich schafften, Ihn kreuzigen zu lassen, schien es, als ob sie triumphiert hätten. Doch zu ihrer Bestürzung stand er drei Tage später siegreich vom Grab auf, und gab uns damit das Versprechen, dass auch wir durch ihn zu ewigem Leben erweckt werden können.
Wenn man bedenkt, dass der erste Weltkrieg nach diesem Vorfall noch weitere drei Jahre andauerte und fast 20 Millionen Opfer forderte, und im Angesicht der Tatsache, dass seitdem über 150 weitere Kriege geführt wurden, die wiederum unzählige Millionen Leben mehr forderten, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Geste der Freundschaft und des guten Willens an jenem Weihnachtsabend vergebens war. Die beteiligten Soldaten wurden aufs Schwerste zurechtgewiesen. Ihre Vorgesetzten ordneten in dem Bestreben, eine Wiederholung dieses Vorfalls zu verhindern, ein Jahr später am Heiligabend erhöhten Artilleriebeschuss an. Jedoch wurde trotz dieser Anordnung berichtet, dass dennoch ähnliche Vorfälle auftraten. Nichtsdestotrotz, blickt man jenseits von Erfolg und Misserfolg jener zeitweiligen Waffenstillstände, so lebt diese Geschichte von Frieden inmitten des Krieges weiter und reißt weiterhin die Barrieren ein, die Feinde aus potentiellen Freunden machen. Letztendlich ist sie ein Zeugnis der Macht von Gottes Liebe, der Essenz und dem eigentlichen Sinn der Weihnacht.