Weihnachten ist wohl jene Jahreszeit, in der es Gott gelingt, uns allen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit abzugewinnen in dieser besinnlichen Zeit beschäftigen wir uns nun etwas häufiger mit »dem Wunder der Krippe«, Jesu Geburt in Bethlehem. Es hat schon etwas ganz besonderes an sich, auf den göttlichen Eingriff zu reflektieren, der jedes Jahr wieder aufs neue Hoffnung in uns erweckt. Ganz egal mit welchen Problemen wir das ganze Jahr über gekämpft haben, Weihnachten bringt trotz allem diese ganz besondere Zuversicht mit sich, dass sich doch noch alle Dinge zum Besten wenden.
Am Weihnachtsmorgen, dem 24. Dezember 2000, flackerte allerdings diese Hoffnung in unserem Family International-Center in Neu Dehli, Indien, nur sehr spärlich. Sind wir doch gerade mit den schlechten Nachrichten konfrontiert worden, dass ein Flugzeug der India Airline entführt und zu einem verlassenen Flugstützpunkt der im Gebirge liegenden Stadt Kandahar in Afghanistan, umgeleitet worden war. Unsere Herzen wurden noch schwerer, als uns dämmerte, dass sich einer unserer Freunde in ausgerechnet jenem Flugzeug befand.
Es ist schwer zu beschreiben, was als nächstes mit mir passierte, aber der bloße Gedanke, dass jemand, den ich persönlich kannte der zudem verheiratet war und zwei Kinder hatte in Gefahr war sein Leben zu verlieren, sowie 120 weitere Passagiere, übermannte mich schlichtweg. Ohne viel nachzudenken, fiel ich auf die Knie und fing an zu beten. Ich betete wie niemals zuvor. Meine Verzweiflung, meine Frustration und meine Gebete explodierten in einen einzigen inneren Urschrei, in dem ich den Allmächtigen mit aller Kraft inständig darum bat, schnellstmöglich einzugreifen.
Da gibt es einen Ausdruck im Showgeschäft, »The Show must go on«, der irgendwie auch auf unseren aufopfernden Dienst am Nächsten zutrifft denn viele sind es, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Also veranstalteten wir unsere weihnachtlichen Benefiz-Shows, die auf dem heutigen Terminkalender standen, eine in einem Waisenhaus, eine im Gefängnis und eine andere in im Pflegeheim für Kinder, die aus schwierigen Verhältnissen stammen. Die Stimmung unter uns war gedrückt, derweil wir uns in die Lage der Menschen an Bord des Flugs IC 814 versetzten, aber die Fröhlichkeit und das Lachen derer, die unsere Show genossen, halfen uns eine Weile, die nagenden Gedanken zurückzudrängen.
Zwischen den Shows beteten wir zusammen, sowie individuell für die Sicherheit der Geiseln. Als wir nach Hause kamen, war die Stimmung düster. Die Entführung machte in jeder Zeitung und jedem Sender Schlagzeilen in dem Moment war die Entführung in Indien das Thema schlechthin.
Der nächste Tag brachte noch schlechtere Nachrichten. Die Entführer hatten den ersten Passagier hingerichtet einen jungen Mann, der gerade mit seiner frisch Vermählten von den Flitterwochen in den Himalajas zurückkam. Ich ging auf mein Zimmer und weinte. Dann betete ich dafür, dass Gott die Witwe und Familie des Mannes trösten möge.
An diesen Abend drohten die Entführer damit, jede Stunde einen weiteren Passagier zu töten, bis ihre Forderungen erfüllt wurden. Die Situation schien weiterhin aussichtslos.
In dieser Nacht brauchte ich unbedingt eine übernatürliche Zusicherung, dass Gott die Situation unter Kontrolle hatte. Wohl ein jeder von uns hatte das dringende Bedürfnis danach. Als ich in meinem Bett lag und mich hin und her wälzte ich konnte einfach nicht schlafen kam mir ein Bibelvers in den Sinn. »Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden: klopfet an, so wird euch aufgetan« (Matthäus 7,7).
Ich entschloss mich etwas zu tun, dass ich vorher schon oft getan hatte Jesus um eine direkte Botschaft zu bitten, um mir zu helfen die Angelegenheit von seinem Blickwinkel aus sehen zu können. Ich fand einen Stift und schlug meinen Notizblock auf, in dem ich alles festhalte, was mir Jesus mittlerweile als Rat in vielen persönlichen Situationen mitgeteilt hatte. Also betete ich, »Jesus ich muss unbedingt von dir hören. Ich brauche deine Worte der Ermutigung und deinen Rat.«
Dann machte ich eine Anstrengung, mich erstmal zu beruhigen und alle vorgefassten und anderen Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben und wartete einfach. Langsam formten sich seine Worte in meinem Kopf, die ich dann nach und nach niederschrieb.
»Ich werde der Hand der Entführer Einhalt gebieten und es wird niemand mehr umkommen. Ich habe starke Engel um das Flugzeug gestellt, sie werden die Passagiere behüten. Betet weiterhin, denn eure Gebete werden ein Kraftfeld um sie errichten. Ihr werdet euren Freund aus dem Flugzeug steigen sehen.«
Es war zwar nur eine kurze Botschaft, aber für mich ungeheuer beruhigend. Alles was ich tun musste war, zu glauben, was der Herr gesagt hatte, ganz egal wie die Umstände auch aussahen.
Über die nächsten fünf Tage hinweg, hielt ich an das Versprechen des Herrn fest, und das Geiseldrama endete genauso wie Jesus mir es mitgeteilt hatte. Keiner weiteren Geisel war etwas zugestoßen, und in der Nacht des 31. Dezember wurden schließlich alle Entführten freigelassen. Als wir uns vor dem Fernseher zusammendrängten, um die Live-Übertragung der Heimreise der Geiseln mitzuverfolgen, sahen wir, wie dann unser Freund als erster aus dem Flugzeug stieg.
Später fanden wir heraus, was der Herr damit gemeint hatte, als er sagte, »Ich werde der Hand der Entführer Einhalt gebieten.« Unser Freund berichtete uns im Nachhinein, dass sich die Entführer während der Krise einige Male darauf vorbereitet hatten, eine Geisel nach der anderen zu exekutieren, aber es kam jedesmal irgendetwas dazwischen, das sie davon abhielt. Von ganzem Herzen bin ich nun davon überzeugt, dass die Entführer vom Herrn und seinen Engeln in Antwort auf die Gebete vieler hier in Indien und auf der ganzen Welt, zurückgehalten worden sind.
Rohit Kumar ist vollzeitiger freiwilliger Mitarbeiter der Family International in Indien.