Der heilige Franz von Assisi und die erste Weihnachtskrippe
Es ist allgemein nicht bekannt, dass Franz von Assisi den volkstümlichen Brauch des Krippenaufstellens in der Weihnachtszeit ins Leben rief. Dieser Brauch entstand aus seinem sehnlichen Wunsch, den einfachen Menschen die große Wahrheit des Heiligen Geistes nahezubringen.
Franz liebte die Menschen, angefangen vom Papst in Rom, von denen er zwei kennengelernt hatte, bis hin zu den Bettlern auf der Straße, den Wegelagerern im Gebirge und besonders den Ausgestoßenen und Aussätzigen.
Franz liebte auch all die anderen Geschöpfe. Er liebte die Vögel, und viele kennen die Legende, dass er zu ihnen predigte, wenn sie zu ihm kamen und dann wieder wegflogen, wenn er sie gehen ließ. Er liebte auch die wilden Tiere, sogar den grimmigen Wolf, den die Menschen von Gubbio in Italien fürchteten, und von dem erzählt wird, dass Franz ihn gezähmt habe. Einmal bat er den Herrscher des Landes, ein Gesetz zu verabschieden, wonach allen Vögeln und wilden Tieren an Weihnachten besonderes Futter gegeben werden sollte, damit auch sie »Freude am Herrn« hätten.
Als junger Mann liebte auch er die materiellen Dinge, besonders schöne Kleidung und Samt und Seide aus dem Laden seines wohlhabenden Vaters Pietro Bernadone. In jenen Tagen neigten die Menschen dazu, ihren Reichtum an ihrem Körper zur Schau zu stellen. So sah es Bernadone gern, wenn sein Sohn als der bestgekleidete junge Mann alle anderen jungen Menschen bei Musik, Tanz und Festlichkeiten übertraf - es war gut für sein Geschäft. Eines Tages sollte Franz es von ihm übernehmen, so hoffte er.
Franz begann aber zu erkennen, dass solche Dinge ihn nicht befriedigen konnten. Er fühlte, dass es etwas Wichtigeres in dieser Welt geben müßte, und er versuchte dies auf jegliche Art und Weise zu finden. Er zog deswegen sogar in den Krieg, der ihn jedoch nur in die Gefangenschaft führte, aus der er nach langer, schwerer Krankheit sehr geschwächt heimkehrte.
Doch schließlich lernte er, dass er wahre Zufriedenheit darin finden würde, indem er Gott liebte und tat, was Gott wollte. Er war solch ein lebendiges Beispiel dieser neuen Art zu Leben und lebte dies so anschaulich, dass die Menschen anfingen, seinem Beispiel zu folgen. Es war sein Anliegen, ihnen Gottes Wahrheit verständlich zu machen, und so kam ihm an einem Weihnachtstag der Gedanke, den Menschen die Geburt Christi so zu zeigen, wie sie damals wirklich gewesen sein mußte, mit all der Armut und Entsagung.
Er fand dafür genau den richtigen Platz - einen großen Haufen von Felsblöcken auf einem kahlen Berg in der Nähe des Dorfes Greccio. In einer Kluft am Berghang befand sich eine Höhle und er beschloß die Szene der Geburt Christi dort nachzustellen. Er brachte einen Ochsen und einen Esel hinauf, ließ ein Jesuskind schnitzen, und legte es in die Krippe zwischen Ochse und Esel. Die Nachricht davon verbreitete sich über das ganze Land und bald strömten Männer, Frauen und Kinder mit Fackeln, die den Weg in der Nacht erleuchteten, zur Höhle auf dem abgelegenen Berg. Schließlich standen sie alle rund um den Eingang der Höhle und schauten hinein.
Jemand, der dabei war, schrieb später, »Es schien heller Tag zu sein in dieser Nacht, die mit Freude für Mensch und Tier und mit dem Glück der vielen Leute erfüllt war, die herbeigeströmt waren, um bei der Erneuerung dieses ewigen Geheimnisses dabei zu sein.« Franz selbst sang die Weihnachtsgeschichte mit »lauter, heller und klarer« Stimme, berichtete der Beobachter. »Dann predigte er den Menschen mit viel Liebe von der Geburt des armen Königs im kleinen Stall von Bethlehem.«