Inhalt:
Die Zaubermaske
Es war einmal ein gewaltiger und mächtiger Fürst, der befehligte viele Tausende von Soldaten. Mit diesen eroberte er für sich ausgedehnte Ländereien. Er war weise und tapfer und wurde von allen respektiert und gefürchtet, doch von niemandem geliebt. Von Jahr zu Jahr wurde er strenger, aber auch immer einsamer, und auf seinem Gesicht spiegelte sich die Bitterkeit seiner habgierigen Seele: es bildeten sich tiefe, hässliche Falten um seine eiskalten Lippen herum, die niemals ein Lächeln hervorbrachten und tiefe Falten zerfurchten fortwährend seine Stirn.
In einer der Städte, über die er herrschte, lebte ein wunderschönes Mädchen. Er hatte seit einiger Zeit beobachtet, wie sie unter dem Volk umherging. Es geschah, dass er sich in sie verliebte und sie zu seiner Frau machen wollte. Er beschloss, zu ihr zu gehen, um ihr seine Liebe zu erklären. Er legte seine feinsten Gewänder an, setzte sich die goldene Krone aufs Haupt und schaute dann in den Spiegel, um zu sehen, welches Bild sich dem wunderschönen Mädchen nun zeigen würde. Doch was er gewahrte, versetzte ihn in Angst, Schrecken und Abscheu vor sich selbst: ein schreckliches, hartes Gesicht, das sogar noch schlimmer aussah, wenn er zu lächeln versuchte.
Da kam ihm ein freudiger Gedanke und er ließ einen Zauberer rufen: »Fertige mir eine Maske von feinstem Wachs, so dass sie sich jedem meiner Gesichtszüge anschmiegt, doch bemale sie mit deinen Zauberfarben, damit sie angenehm und freundlich aussieht! Passe sie meinem Gesicht so an, dass ich sie nie abnehmen muss! Mach, dass sie schön und attraktiv aussieht! Tue dein Allerbestes und ich werde dir jeden Preis bezahlen, den du begehrst!«
»Das kann ich wohl«, sprach der Zauberer, »doch unter einer Bedingung: Du musst auf deinem Gesicht die gleichen Züge bewahren, die ich malen werde, sonst ruinierst du die Maske. Ein einziges ärgerliches Stirnrunzeln, und die Maske wird für immer zerstört sein, noch werde ich sie ersetzen können.«
»Ich tue, was immer du sagst«, sprach der Fürst erwartungsvoll, »wenn ich damit die Bewunderung und Liebe meiner Auserwählten gewinnen kann. Sag mir, was ich tun muss, damit die Maske nicht zerbricht!«
»Du musst wohlwollende Gedanken hegen«, antwortete der Zauberer, »und damit du dies vermagst, musst du gute Werke tun! Du musst dein Reich glücklich statt mächtig machen. Ersetze Zorn mit Verständnis und Liebe. Baue Schulen für deine Untertanen, nicht nur Gefängnisse; Krankenhäuser, und nicht nur Kriegsschiffe. Sei allen Menschen gegenüber gnädig und gütig!«
Die wundervolle Maske wurde fertiggestellt und niemand hätte auch nur geahnt, dass es nicht das wahre Antlitz des Fürsten war. Monate vergingen, und obwohl die Maske oft in Gefahr war, zerstört zu werden, kämpfte er schwer mit sich selbst, um sie zu bewahren. Die liebliche Frau wurde seine Braut, und seine Untertanen waren erstaunt über die wunderbare Veränderung in ihm. Sie meinten, seiner gütigen Frau wäre es wohl zu verdanken, dass er ihr ähnlicher wurde.
Als Sanftmut und Aufmerksamkeit in das Leben dieses Mannes kamen, wurden ihm auch Ehrlichkeit und Güte zu eigen. Bald tat es ihm leid, seine schöne Frau mit der zauberhaften Maske getäuscht zu haben. Schließlich konnte er es nicht mehr aushalten und ließ den Zauberer zu sich rufen.
»Entferne dieses, mein falsches Antlitz!« rief er aus. »Nimm sie weg, diese trügerische Maske, die nicht mein wahres Selbst ist!«
»Wenn ich das tue«, sprach der Zauberer, »werde ich nie mehr eine neue machen können, und du wirst dein eigenes Gesicht tragen müssen, solange du lebst.«
»So sei es!« erwiderte der Fürst. »Besser als diejenige zu betrügen, deren Liebe und Vertrauen ich auf so unehrliche Weise erworben habe. Besser, wenn sie mich verachtete, als weiterhin das zu tun, was ihrer unwürdig ist! Nimm sie mir ab, sag ich, nimm sie weg!«
Der Zauberer entfernte die Maske, und der Fürst eilte voller Verzweiflung und Furcht zum Spiegel, um sein Angesicht zu sehen. Doch seine Augen leuchteten auf, und seine Lippen verzogen sich zu einem strahlenden Lächeln, denn die hässlichen Falten waren verschwunden, die Grimasse war fort, und siehe, sein Gesicht sah genauso aus wie die Maske, die er so lange getragen hatte! Und als er zu seiner geliebten Frau zurückkehrte, sah sie nur die vertrauten Züge des Mannes, den sie liebte.
Ja, diese Legende erinnert uns eine alte Weisheit: Des Menschen Antlitz spiegelt das Innere seiner Seele wider, was er denkt und fühlt, die Gedanken, die er in seinem Herzen hegt. Der weise Salomon erkannte schon: »Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus! Ein fröhliches Herz macht das Angesicht heiter.« (Sprüche 4:23; 15:13a) Darum »alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dem denket nach!« (Philipper 4:8)
Ich wurde dazu erzogen, immer ehrlich zu sein. Es widerstrebt mir, zu heucheln, zu lügen, zu betrügen oder etwas zu verheimlichen. Dass ich nun die Glückliche spielen soll, wenn ich mich eigentlich traurig fühle, ist für mich ein Problem. Ich frage mich: »Wie kann ich nur ein Lächeln aufsetzen und glücklich aussehen, wenn ich mich gar nicht danach fühle?« Doch der Herr hat mir geholfen, eine Antwort auf diese Frage zu finden, mit der ich mich zufrieden geben kann. Es ist ganz einfach:
Du musst dir bewusst werden: wenn Jesus in deinem Herzen ist, bist du nicht mehr dich selbst; es ist Seine Freude, die du mit deinem strahlenden Antlitz und glücklichen Lächeln zeigst. Es ist keine Heuchelei, eine fröhliche Miene aufzusetzen, wenn du traurig bist. Weil es des Herrn Freude ist, die du widerspiegelst, täuschst du andern auch gar nichts vor.
Wenn du Freude auf deinem Gesicht zeigst, bist du deswegen kein Heuchler auch wenn du dich innerlich nicht so glücklich fühlst. Denn »nicht ich, sondern Christus lebt in mir!« (Galater 2:20) Du zeigst Sein Antlitz. Andere sehen die Herrlichkeit von Jesus in dir!
Oft sind wir unzufrieden,
mutlos und betrübt,
An Anerkennung mangelt's
hat's Leben uns belügt?
Wir fühlen uns betrogen
an Schönheit, Charme, Verstand,
Beklagen unsre »Mängel«,
was alles sich nicht fand.
Wir fühl'n uns miserabel,
und krank vor lauter Gram;
Aus Stolz und Egoismus
unser Klagen kam.
Im Herzen wächst der Groll,
dann kommt der große Neid.
Wir blicken auf den Nachbarn,
er scheint uns so gescheit.
Verdammen nur uns selbst
als unperfektes Sein.
Aufs Herz wir häufen so
nur Schmerz und große Pein.
Ach Herr, vergib den Stolz
und unsre Eitelkeit,
Zu suchen weltlich' Lob,
statt Deine Herrlichkeit!
Zufriedne sind drum glücklich
hat's Gott nicht auch genügt?
Denn wahre Schönheit kommt,
wenn's Herz von Ihm berührt.