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Die Zehn Hörner

EUROPA'S ROLLE IN DER ENDZEIT

von Joseph Candel

Martin und ich hatten oft über Bibelprophezeiung gesprochen. Als nun sein langjähriger Freund Dan über das Thema einige Fragen hatte, die Martin nicht beantworten konnte, arrangierten wir drei kurzerhand ein Treffen.

Es stellte sich heraus, dass Dan, ein Buddhist, kürzlich in einem Hotelzimmer aus Neugierde in einer Bibel der Gideons herumgeblättert hatte und dabei im letzten Kapitel der Bibel, dem Buch der Offenbarung, auf einige mysteriöse Bibelstellen gestoßen war.

Dan meinte, dass aufgrund aktueller Weltereignisse ein Näherrücken des Weltendes offensichtlich sei. Er hatte einiges über das Aufkommen des Antichristen und der kommenden Eine-Welt-Regierung gehört, und wollte wissen, wie das mit dem zusammenpasste, was er gelesen hatte. Besonders interessierte ihn die Bedeutung der in Offenbarung Kapitel 13 und 17 beschriebenen »sieben Köpfe« und »zehn Hörner«.

Dann lasen wir zusammen Auszüge der zwei Kapitel und ich erklärte es ihm folgendermaßen:

»Und ich [der Apostel Johannes] sah ein Tier aus dem Meer steigen,« – der See der Menschheit – »das hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung.« (Offenbarung 13:1 -Lt.)

Liest man das siebte Kapitel im Buch Daniel, welches etwa 700 Jahre vorher geschrieben wurde, trifft man wieder auf dieses große Tier in seinen anderen verschiedenartigen Formen. Das »Tier« repräsentiert hier verschiedene Weltreiche.

In Kapitel 17 der Offenbarung, Verse 9 und 10, finden wir heraus, dass die sieben Häupter sieben Könige oder Königreiche darstellen. »Fünf sind gefallen« – als Johannes die Offenbarung 90 n. Chr. schrieb, waren mittlerweile fünf große (Welt-)Reiche im Nahen Osten aufgestiegen und wieder verschwunden: Ägypten, Assyrien, Babylon, Persien und Griechenland. »Einer ist« – das Römische Reich war zu der Zeit mächtig, als Johannes die Offenbarung niederschrieb – »der andre« – des Antichristen letztes Weltreich –»ist noch nicht gekommen«. »Und wenn er kommt, muss er eine kleine Zeit bleiben« – die 7-jährige Herrschaft des Antichristen. Nun, diese sieben Häupter stellen die sechs vergangenen Weltreiche dar, plus das Antichrist-Imperium, welches jetzt langsam aufsteigt, aber noch nicht präsent ist.

»Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben, aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde« – eine sehr kurze Zeit – »mit dem Tier.« (Offenbarung 17:12 - Lt.) Weil diese zehn Könige oder Mächte während der Zeit von Johannes und des sechsten Hauptes – des Römischen Weltreichs – »ihr Reich noch nicht empfangen haben«, ist es offensichtlich, dass sich diese zehn Hörner alle auf dem siebten und letzten Haupt, dem Antichristen, befinden. »Diese haben einerlei Meinung, und geben ihre Macht und Kraft dem Tier.« (Offenbarung 17:13 - Lt.)

Diese zehn Mächte, die dem Antichristen zur Macht verhelfen und mit ihm kooperieren, werden noch detaillierter im Buch Daniel 2:34, 41-43 und Daniel 7:7-8, 20-24 beschrieben. In Daniel 7:7 wird das zehnhornige Königreich des Antichristen beschrieben, wie es aus dem römischen Tier heraus wächst. Das scheint darauf hinzuweisen, dass diese zehn Könige, Nationen oder Mächte des Antichrist-Imperiums aus den Überbleibseln des antiken Römischen Reiches stammen. Das alte Imperium herrschte damals über große Teile des heutigen, modernen Europas. Wenn diese Interpretation korrekt ist, dann könnte die Europäische Union (EU) im Endzeit-Drama eine wichtige Rolle spielen.

Zum ersten Mal seit das antike Rom den europäischen Kontinent unter seiner Herrschaft zusammenführte, vereinigt sich Europa wieder. Und in der Tat, der italienische Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, erklärte 1999 vor dem Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU: »Wir vereinigen Europa das erste Mal seit dem Untergang des Römischen Reiches, und zwar nicht mit Waffengewalt, sondern auf der Basis von gemeinsamen Idealen und vereinbarten gleichlautenden Gesetzen!«1 Seit dem alten Imperium hat die Mehrzahl der westeuropäischen Länder sich auf eine gemeinsame Währung, dem Euro, geeinigt und macht auch in Richtung militärischer und politischer Einheit Fortschritte.

So wie sich Europa nähergekommen ist, so hat sich auch die restliche Welt mehr und mehr vereint. Obwohl es sich hier weniger um politische, sondern eher um technologische und handelspolitische Einigkeit handelt. Mit dem Wachstum der Telekommunikation, der weitverbreiteten Anwendung des Internets und den kostengünstigen, weltweiten Reisemöglichkeiten – so schnell und bequem wie es nur geht – sind die Entfernungen doch erheblich geschrumpft. Mit dem Vernetzen vieler Ökonomien sind ehemalige finanzielle Barrieren einfach zusammengeschmolzen, somit haben Ereignisse auf einem der Märkte eine große Auswirkung auf die anderen.

Der Antichrist wird einen Großteil der Welt unter seiner Kontrolle haben, aber es sieht sehr wahrscheinlich aus, dass Europa seine primäre Hochburg werden könnte und die »zehn Hörner« sich als jene Europäischen Nationen herausstellen, die dann hauptsächlich mit dem Weltherrscher kooperieren werden.

»Aber das Gute daran ist,« erklärte ich Dan, »dass Jesus am Ende der 7-jährigen Herrschaft des Antichristen "in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit zurückkehren wird", um Seine geretteten Kinder zu sammeln und dem Imperium des üblen Antichristen ein Ende zu bereiten. Jesus wird Sein eigenes Königreich auf der Erde einsetzen, in dem es Gerechtigkeit, Frieden und Überfluss für alle geben wird. (Matthäus 24:29-31; Offenbarung 14:14-16; 19:6-9, 11-21; 20:1-4). Die beste Vorbereitung auf diese baldigen Ereignisse ist ganz einfach: Man braucht sich nur auf die Seite des schlussendlichen Siegers zu stellen – Jesus!


1 The Sunday Times (London), 13. Mai 2001

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