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04. Jul 12:04 2003
Forscher schaffen zweigeschlechtliche Embryonen
Etwa die Hälfte der Mischwesen entwickelte sich bis zum Blastozysten-Stadium normal.
Foto: Unikliniken Genf


Umstrittener Ansatz zur Gentherapie: US-amerikanische Forscher haben menschliche weiblich-männliche Mischwesen hergestellt.

Die Versuche gelten als moralisch nicht vertretbar, doch US-amerikanische Forscher haben bereits ein Patent auf die Methode angemeldet: Durch die Verpflanzung einzelner Zellen eines männlichen Embryos in einen weiblichen schufen sie einen menschlichen Hermaphroditen.

Der Österreich-stämmige Mediziner Norbert Gleicher vom Center for Human Reproduction in New York stellte die Experimente seiner Arbeitsgruppe auf einer Fachtagung zur Fortpflanzungs-Medizin in Madrid vor. Die Forscher untersuchten, wie sich die Zellen eines menschlichen Embryos entwickeln, die in einen anderen Embryo verpflanzt wurden.

Um das Wachstum dieser Zellen verfolgen zu können, implantierten die Mediziner männliche Zellen, die an ihrem Y-Chromosom erkannt werden können, in weibliche Embryonen, deren Zellen kein Y-Chromosom tragen. Solche genetischen Mischwesen werden als Chimären bezeichnet, sie tragen Gene von zwei oder mehr Lebewesen.

Mehr Embryonen

«Zwölf von den 21 Embryonen entwickelten sich zu völlig normalen Blastozysten», zitiert die Online-Ausgabe des Magazins «New Scientist» Gleicher. Die männlichen Zellen hatten sich im gesamten Embryonalgewebe verteilt. Vier der weiblichen Empfänger-Embryonen stellten nach der Transplantation ihr Wachstum ein und fünf entwickelten sich abnormal. Nach sechs Tagen wurden die Chimären im Blastozysten-Stadium der Embryonalentwicklung zerstört.

Der Forscher hofft durch derartige Transplantationen zukünftig Gendefekte von Embryonen ausgleichen zu können, die für künstliche Befruchtungen erzeugt werden. Bestimmte Erbkrankheiten kämen nicht zum Ausbruch, wenn ein Teil der Zellen des Organismus funktionstüchtige Gene trage. Dies sei durch die Transplantation von Zellen eines gleichgeschlechtlichen gesunden Embryos erreichbar. Für Schwangerschaften nach einer künstlichen Befruchtung könnten so mehr implantierbare Embryonen geschaffen werden.

Unkalkulierbare Risiken

Doch Kollegen kritisierten das Verfahren scharf. Durch einen Teil gesunder Zellen – die sich bei natürlich auftretenden Chimären keineswegs gleichmäßig verteilten – könnte der Ausbruch von Erbkrankheiten nicht sicher verhindert werden. Die Embryonen könnten bis zur Einpflanzung in die Gebärmutter nicht darauf hin überprüft werden, ob sich die fremden Zellen gleichmäßig vermehrten. Die Gesundheits-Risiken für das Kind und die Mutter seien daher unkalkulierbar.

Für das Web ediert von Patrick Eickemeier