11.05.2006
Rekordverschmutzung
der Arktis-Luft gemessen
Dunst über Spitzbergen
Foto: Jürgen Graeser, Awi
Dicke Luft auf Spitzbergen: Eine besondere Großwetterlage hat stark verschmutzte Luft in die Arktis strömen lassen.
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (Awi) haben in der vergangenen Woche die höchste Luftverschmutzung seit Beginn der Messungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen beobachtet. Die Luft war zeitweise extrem stark mit Schwebstoffen belastet.
Durch eine besondere Großwetterlage Anfang Mai erreichten große Mengen der so genannten Aerosole aus Osteuropa die Atmosphäre über Spitzbergen, teilte das Awi am heutigen Donnerstag mit. Die normalerweise klare Luft über der deutsch-französischen Awipev-Forschungsbasis auf Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. Schwedische Kollegen bestätigten die Messwerte der deutschen Gruppe. Sie maßen bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft. Dieser Wert wird etwa an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht.
Das Norwegische Institut für Luftverschmutzung maß zudem extrem hohe Konzentrationen von Ozon in Bodennähe. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde der höchste Wert seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 ermittelt.
Ursache für den Luftverschmutzungs-Rekord ist eine besondere Wetterlage. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis. Eine erhöhte Aerosolkonzentration wurde auch in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr über der Arktis registriert. Dieses als «Arctic Haze» bezeichnete Phänomen war allerdings in diesem Jahr so stark wie noch nie. Die Luftverschmutzung lag um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000.
«Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung», sagt Andreas Herber vom Awi in Bremerhaven. Aerosole sind kleine Partikel in der Atmosphäre, die flüssig oder fest sein können und als Kondensationskeime für die Wolkenbildung dienen. Die Partikel können auch Sonnenlicht streuen oder schlucken. Auf diese Weise haben sie großen Einfluss auf das Klimasystem.
«Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen», sagt Andreas Herber. Nun untersuchen die Wissenschaftler genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole. (nz)