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Quelle: ZDF Heute. www.heute.t-online.de



31.08.2005

Massenpanik: Behörden befürchten 1000 Tote

Bagdad: Vor allem Frauen und Kinder unter den Opfern
und Kinder unter den Opfern.

Nach der Panik: Schuhe der
Opfer auf der Tigris-Brücke
Bildquelle: reuters



Hunderttausende von Gläubigen strömten am Mittwochmorgen zur Grabmoschee des Imam Mussa al Kadim, dessen Todestag im neunten Jahrhundert alljährlich begangen wird. Auf einer mit Menschen überfüllten Brücke über den Tigris brach eine Panik aus. Auslöser war nach Berichten von Überlebenden das Gerücht, dass Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln in der Menge gebe. Scharenweise stürzten die Menschen in den Fluss. Andere wurden von der Menschenmenge erdrückt. Das Innenministerium geht inzwischen von 1000 Opfern aus, bis zum Abend wurden 843 Tote gezählt.

Erdrückt und ertrunken

"Wir waren auf der Brücke", sagte der 28-jährige Fadhel Ali, der sich schwimmend ans Ufer retten konnte. "Es war so voll. Um mich herum waren tausende von Leuten. Wir hörten, dass ein Selbstmordattentäter in der Menge sein soll. Alle fingen an zu schreien. Da sprang ich von der Brücke in den Fluss, schwamm und erreichte das Ufer. Ich sah, wie nach mir Frauen, Kinder und alte Männer ins Wasser fielen." Am Ufer des Tigris stiegen hunderte von Männern in die Schlammfluten des Flusses und suchten verzweifelt nach Angehörigen.

Als die Panik unter den Pilgern ausbrach, habe unter dem Druck der Menschenmenge das Brückengeländer nachgeben, erklärten Sicherheitskräfte. Krankenhausärzte und Augenzeugen berichteten, ein Teil der Menschen sei im Gedränge erstickt oder zu Tode gequetscht worden. Andere fielen von der Brücke 30 Meter in die Tiefe und ertranken in den Fluten des Tigris. Eine Augenzeugin berichtete: "Tausende von Menschen standen dicht an dicht auf der Aimma-Brücke, in dem Gedränge und bei der Hitze wurden einige ohnmächtig, vor allem, die Kinder bekamen keine Luft mehr." Vom Fenster ihres Hauses aus beobachtete die Frau, wie Hunderte von Menschen in den Fluss fielen. In Bagdad herrschten am Mittwoch Temperaturen von etwa 43 Grad im Schatten.

Granatenangriff

Die rund 1,5 Millionen schiitischen Pilger, die sich am Mittwoch am Heiligtum des Imam Mussa Kazhim versammelt hatten, um seinen Todestag vor mehr als 1000 Jahren zu begehen, waren schon nach einem Granatenangriff in der Nähe der Pilgerstätte nervös gewesen. Die US-Armee erklärte, ihre Soldaten hätten von Hubschraubern aus beobachtet, wie Terroristen Granaten abfeuerten, die in der Nähe der Moschee niedergingen, die den Schrein beherbergt.

Die Soldaten hätten vom Hubschrauber aus auf die Angreifer gefeuert. Mehr als ein Dutzend Verdächtige seien später festgenommen worden. Nach Angaben von Augenzeugen starben bei den Attacken am Morgen sieben Menschen, mehr als 30 wurden verletzt. Während die Helfer noch versuchten, Menschen aus dem Fluss zu ziehen, setzte ein Teil der Pilger die religiösen Rituale am Grab des Imams fort.

Thema Neubeginn im Irak

Übergangsministerpräsident Ibrahim al-Dschafari ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Wie viele Ausländer unter den Toten sind, war zunächst unklar. Zu dem religiösen Fest kommen auch schiitische Muslime aus Iran und anderen islamischen Staaten nach Bagdad. Die Brücke, auf der die Pilger starben verbindet den vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Kazhimija mit dem sunnitischen Adhamija.

Mit Material von dpa, REUTERS, AP