09.10.2005
Erdbeben in Südasien: evtl. 41.000 Tote in Pakistan
40.000 Verletzte - Kaschmir besonders betroffen
Erdbeben Pakistan - Bergung von Verletzten. Bildquelle dpa
Einen Tag nach dem Erdbeben in Südasien zeichnet sich allmählich das ganze Ausmaß der Katastrophe ab. Der Sprecher des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, Generalmajor Schaukat Sultan, rechnet mit möglicherweise mehr als 41.000 Toten. Etwa ebenso viele Menschen seien verletzt worden.
Die Zahl der Toten könne noch deutlich ansteigen, da viele der zerstörten Ortschaften im abgelegenen Norden des Landes bislang noch nicht von den Bergungsteams erreicht wurden, erklärte Armeesprecher Shaukat Sultan der Nachrichtenagentur AFP. Shaukat sprach von der "größten Katastrophe in der Geschichte Pakistans".
Die meisten Toten gab es laut Sultan in der Provinz North West Frontier und in Kaschmir. Dort sei die Lage verzweifelt: "Es gibt viele Dörfer und sogar Kleinstädte, die vollkommen ausgelöscht sind." Je weiter sich die Rettungstrupps in das Katastrophengebiet vorarbeiteten, desto deutlicher steige die Zahl der bestätigten Todesopfer.
Schwere Verwüstungen
Auch in der Hauptstadt Islamabad starben Menschen. Dort brachte die Wucht der Erdstöße ein mehrstöckiges Gebäude zum Einsturz. In den Trümmern starben mindestens fünf Menschen, unter ihnen zwei Japaner. Die Erdstöße erreichten eine Stärke von 7,6 auf der Richterskala.
Örtliche Polizei- und Behördenvertreter aus der Provinz North West Frontier berichteten der Nachrichtenagentur AFP telefonisch von schweren Verwüstungen. Der Polizeichef der Provinz, Riffat Pasha, sagte: "Die Zerstörung ist in einigen Gebieten komplett. Die Straßen sind unpassierbar, und wir werden mindestens 24 Stunden brauchen, um mehr Informationen zu bekommen." Polizeisprecher Iqbal Ahmed aus dem besonders schwer betroffenen Distrikt Mansehra sagte: "In drei Ortschaften unseres Distrikts wurden 90 Prozent der Häuser zerstört."
Dramatische Szenen in Krankenhäusern
Auch auf der indischen Seite Kaschmirs starben viele Menschen. Die Behörden sprachen von 300 Toten und 600 Verletzten. Unter den Toten seien auch 36 indische Grenzsoldaten, die an der Waffenstillstandslinie stationiert gewesen seien. Allein ins Krankenhaus der Hauptstadt Srinagar seien 200 Verletzte eingeliefert worden.
In der Nacht suchten Helfer verzweifelt nach Überlebenden unter den Trümmern. Die Krankenhäuser der Region waren überfordert. Ein AFP-Reporter berichtete aus der Stadt Abbotabad aus dem Erdbebengebiet in Nordpakistan von dramatischen Szenen. Hunderte Verletzte verbrachten die Nacht auf dem Rasen vor dem Krankenhaus; das Gebäude drohte einzustürzen, nachdem die Erdstöße Risse in die Fassaden gesprengt hatten. Krankenwagen brachten immer mehr Verletzte aus den umliegenden Dörfern zu dem Hospital. Die Ärzte waren machtlos. "Wir brauchen Arzneien, Spenderblut und Ausrüstung, um den Strom der Verletzten zu behandeln", sagte Doktor Nadeem Gohar.
Fischer sagt humanitäre Hilfe zu
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) äußerte in Schreiben an die Regierungen von Pakistan und Indien Trauer und Anteilnahme. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte umgehende humanitäre Hilfe zu. Auch US-Präsident George W. Bush sagte den Menschen in den Erdbebengebieten Südasiens die Hilfe der Vereinigten Staaten zu. Erste Hilfslieferungen seien bereits in die Katastrophenregion unterwegs. Japan schickte ein 50-köpfiges Team von Bergungsexperten nach Pakistan.
Das Hauptbeben erschütterte die Region am Samstagvormittag 30 Sekunden lang. Es folgten etwa 15 Nachbeben. Die Menschen liefen in Panik auf die Straßen, teilweise nur mit Schlafanzügen bekleidet. Das Epizentrum des Bebens befand sich rund hundert Kilometer nördlich von Islamabad an der Trennlinie zwischen den von Indien und Pakistan kontrollierten Teilen Kaschmirs. Seine Ausläufer waren noch in der rund 900 Kilometer entfernten pakistanischen Wüstenstadt Quetta zu spüren.
Mit Material von AFP