30.08.2005
Super so teuer wie nie
Konzerne machen Hurrikan verantwortlich - BDI: Ölpreise senken Wachstumsprognose
Bildquelle dpa
Die Benzinpreise in Deutschland sind auf einen neuen Rekordstand geklettert. Einer Preisanhebung durch Shell um vier Cent für Benzin und drei Cent für Diesel vom Montagabend hätten sich die anderen Markentankstellen angeschlossen, sagten Sprecher der Mineralölunternehmen am Dienstag. Normalbenzin kostete demnach im Bundesdurchschnitt 1,30 Euro je Liter, Super 1,32 Euro und Diesel 1,14 Euro. Damit sei bei Superbenzin ein neues Rekordhoch erreicht worden, sagte Rainer Wiek vom Energieinformationsdienstes (EID) in Hamburg.
Sprecher der Mineralölunternehmen begründeten den neuerlichen Anstieg mit den Folgen des Wirbelsturms "Katrina" für den Rohölpreis. Außerdem hätten erneut Spekulationen die Rohölnotierungen getrieben. Der Benzinpreis sei am Montag in Rotterdam im Vergleich zu Freitag um 50 Dollar auf rund 700 Dollar je Tonnen gestiegen. Bei Diesel habe sich der Anstieg 28 Dollar auf 651 Dollar belaufen. "Das sind Preissprünge, hinter denen wir hinterlaufen", sagte Karl-Heinz Schult-Bornemann, Sprecher von Esso. Am Montag hatte der Preis für leichtes US-Öl bei 70,80 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) ein Rekordhoch markiert.
ADAC: Kraftstoff wird teurer
"Katrina" droht nach Ansicht des ADAC die Kraftstoffpreise weiter auf neue Höchststände zu treiben. Wenn die amerikanischen Ölförderanlagen im Golf von Mexiko durch den Sturm beschädigt und ihre Förderung gedrosselt werde, dann würden die USA versuchen, auf dem Weltmarkt mehr Öl einzukaufen, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer der "Berliner Zeitung".
Dies werde den Rohölpreis weiter treiben. "Die Folge wird sein, dass die deutschen Autofahrer an den Tankstellen für Kraftstoff stärker zur Kasse gebeten werden", sagte Meyer.
BDI senkt Prognose
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) senkt wegen der hohen Ölpreise seine Wachstumsprognose für dieses Jahr. BDI-Volkswirt Reinhard Kudiß erklärte, es werde immer schwieriger, überhaupt ein Wachstum von einem Prozent im gesamten Jahr zu erreichen. Unterdessen verlangt die FDP angesichts der zu erwartenden Kraftstoffpreise eine Senkung der Ökosteuer.
Wenn der Ölpreis so hoch bleibt und noch weiter steigen sollte, entwickelt er sich zu einer echten Investitions- und Wachstumsbremse.
Reinhard Kudiß, BDI
Der BDI hatte bereits im Frühjahr seine Prognose von einst 1,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr auf rund ein Prozent gesenkt. Kudiß geht davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal nur unwesentlich besser als im zweiten entwickelt, in dem es stagniert hatte. "Wenn der Ölpreis so hoch bleibt und noch weiter steigen sollte, entwickelt er sich zu einer echten Investitions- und Wachstumsbremse."
Zu den Aussichten für 2006 sagte Kudiß, angesichts des möglichen Regierungswechsels gebe es eine anhaltende Stimmungsverbesserung in der Industrie. "Sollte es allerdings einen Wahlausgang geben, der zu einer großen Koalition führt und damit die politische Hängepartie fortsetzt, dann werden wir 2006 kaum mehr als ein Prozent Wachstum erleben", erklärte er.
Hurrikan treibt Ölpreise in die Höhe
Der Ölpreis war wegen dem Sturm am Montag zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von mehr als 70 Dollar gestiegen. Am Dienstagmorgen blieb der Preis im asiatischen Handel auf hohem Niveau, überschritt jedoch nicht mehr die 70-Dollar-Marke. In Singapur kostete ein Barrel der Sorte Light Sweet Crude am Dienstagmorgen (06.30 Uhr) 68,45 Dollar. Das waren 1,25 Dollar mehr als zum Handelsschluss in New York.
Die US-Regierung erwägt wegen des Sturms, die strategischen Ölreserven anzuzapfen. Voraussetzung sei, dass die nationalen Raffinerien dies verlangten. "Wir stehen in Kontakt mit den Öl-Raffinerien", sagte ein Sprecher des US-Energieministeriums in Washington. In dem von dem Hurrikan betroffenen Bundesstaat Louisiana gibt es 17 Raffinerien, die pro Tag 2,8 Millionen Barrel verarbeiten können. Nach den jüngsten verfügbaren Daten vom Samstag hatten sieben der Ölverarbeitungsstätten wegen des Wirbelsturms ihre Arbeit eingestellt.
FDP verlangt Senkung der Ökosteuer
Laut FDP-Generalsekretär Dirk Niebel könne nun die Politik zu Gunsten der Bürger eingreifen, indem sie die Ökosteuer herunterschraube.
Generell sei die von der rot-grünen Bundesregierung zu Gunsten der Rentenkasse eingeführte Steuer "absurd" konstruiert, sagte der FDP-Generalsekretär. Die Steuer sei gut gemeint aber schlecht gemacht. Sie habe nachweisbar keine positiven Umwelteffekte gebracht, stütze aber die Rente. Wenn weniger getankt werde, leide die Rentenkasse. "Die neue Regierung muss diesen Unsinn mit einer vernünftigen Rentenreform beenden", forderte Niebel.
Mit Material von dpa, REUTERS, AP