31.12.2005
Gazastreifen versinkt im Chaos
100 Palästinenser stürmen Innenministerium
Zerstörtes Haus im Gazastreifen
Bild: dpa
Der Gazastreifen versinkt immer tiefer im Chaos: Den vierten Tag in Folge besetzten bewaffnete Palästinenser am Samstag offizielle Gebäude oder Einrichtungen. Diesmal stürmten 100 Extremisten mehrere Regierungsstellen in der Stadt Deir el Balah und brachten auch das Innenministerium zeitweilig unter ihre Kontrolle, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete.
Sie feuerten in die Luft, setzten Autoreifen in Brand und blockierten die Hauptstraße. Erst am Freitag hatten etwa hundert Polizisten den Grenzübergang zu Ägypten vorübergehend besetzt, um gegen die Tatenlosigkeit der Autonomiebehörde gegenüber der Gewalt zu protestieren. Am späten Abend waren drei Briten freigekommen, die am Mittwoch von einer Extremistengruppe im Gazastreifen gekidnappt worden war.
Mehr Druck auf Israel gefordert
Zu der Entführung von drei Briten im Gaza-Streifen hat sich unterdessen eine bislang unbekannte Gruppe bekannt, die von Europa mehr Druck auf Israel fordert. Die Familie aus Großbritannien ließ sie am Freitag nach eigenen Angaben als "Geste des guten Willens" nach zwei Tagen Geiselhaft unversehrt wieder frei.
Die "Brigaden der Jerusalemer Mudschahedin" fordern, dass insbesondere Großbritannien sowie Europa insgesamt dafür sorge, dass Israel die jüngst von dem Land eingerichtete Sicherheitszone im Gaza-Streifen wieder aufhebe. Auch solle Israel Gefangene freilassen, seine Truppen aus dem Westjordanland zurückziehen und die gezielte Tötung von militanten Palästinenser einstellen. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, werde die Gruppe EU-Beobachter der für Januar geplanten Palästinenser-Wahl entführen.
Geiseln gesund
Die 25-jährige Mitarbeiterin einer Menschenrechtsgruppe, Kate Burton, und ihre Eltern waren am Mittwoch in Rafah im Süden des Gaza-Streifens an der Grenze zu Ägypten entführt worden. Die Familie befand sich nach der Freilassung nach Angaben des britischen Außenministeriums in guter Verfassung. Die Familie dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz, der zu ihrer Freilassung führte. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat begrüßte die Freilassung.
Zuletzt war es vermehrt zu Entführungen von Ausländern im Gaza-Streifen gekommen. Insgesamt ist die Lage in dem Küstenstreifen relativ chaotisch, seit Israel das Gebiet vor einigen Monaten nach fast 40-jähriger Besetzung verlassen hat. Bislang stellten die Entführer aber keine politischen Forderungen, sondern verlangten in der Regel Arbeitsplätze.
Mit Material von dpa, REUTERS, AP