18.07.2005
"Emily" erreicht Mexiko:
Panik unter Touristen
Taifun: Chaos auch in Taiwan
Angst vor dem Sturm: Touristen in Cancun
Bild: Reuters
Der Hurrikan "Emily" hat mit einer Windstärke von bis zu 215 Kilometern pro Stunde die Küste Mexikos erreicht und unter Touristen eine Flucht ausgelöst. Tausende Urlauber wurden in Sicherheit gebracht. Meteorologen befürchteten, dass der Hurrikan über das Touristenzentrum wegfegt. Bei dem Versuch, Hab und Gut zu schützen, ist ein Deutscher auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan gestorben. An den Märkten ließ "Emily" den Ölpreis steigen.
Der Mann, ein Tauchlehrer in Playa del Carmen, erlitt schon am Samstag einen tödlichen Stromschlag, wie der deutsche Honorarkonsul in Cancún, Rudolf Bittorf, am Montag berichtete. Er habe während der Schutzarbeiten beim Bohren eine Stromleitung getroffen. Insgesamt sind seit dem Wochenende durch "Emily" vier Menschen getötet worden.
An sonst malerischen Karibikstränden schlugen hohe Wellen auf, der Strom fiel aus. In der Touristenhochburg Cancun rüsteten sich Luxushotels für den Hurrikan. Weiter im Landesinneren gelegene Hotels wurden indes überrannt. Schulen und Sporthallen wurden zu Notunterkünften umfunktioniert. Soldaten waren bei der Rettung von Einheimischen und Touristen im Einsatz. Mexiko schloss die meisten Ölförderplattformen und zwei Häfen, aus denen Rohöl exportiert wird. Der Ölpreis zog daraufhin um mehr als ein Prozent an.
Andrang am Flughafen
Bereits am Sonntag hatten etwa 40.000 Touristen das Urlaubsgebiet um Cancun fluchtartig verlassen. Wenige Stunden vor der Schließung des Flughafens der Stadt drängten dort Tausende weitere Urlauber in die Abfertigungshallen. Einige reagierten mit Panik auf die Ankündigung, dass alle Flüge ausgebucht seien und sie sich zu einer Notunterkunft begeben sollten. "Ich sterbe hier", schrie ein spanischer Tourist, den Soldaten mit 2000 anderen Urlaubern kurzerhand in eine Turnhalle gesperrt hatten. Nobelhotels und Strandbars wurden geschlossen und verriegelt, während die Einwohner versuchten, ihre Häuser so gut wie möglich zu schützen.
US-Leichtöl stieg zwischenzeitlich um 82 Cents auf 58,91 je Barrel (etwa 159 Liter). Die führende Nordsee-Ölsorte Brent stieg legte um 66 Cents auf 58,27 Dollar je Barrel zu. "Das Wetter im Golf scheint im Moment die Gedanken der Leute zu bestimmen", sagte David Thurtell von der Commonwealth Bank of Australia.
Die staatliche mexikanische Öl-Firma Pemex hatte am Wochenende 15.000 Arbeiter in Sicherheit gebracht. Im Gegensatz zu Hurrikan "Dennis", der wenige Tage zuvor durch die Karibik gezogen war, wurde erwartet, dass "Emily" die in der Nähe liegenden US-Förderanlagen weitgehend verschonen wird.
Am Sonntag waren südlich von Jamaika vier Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder. Im Golf von Mexiko starben zwei Hubschrauberpiloten bei dem Versuch, Ölplattformen zu evakuieren.
Chaos wegen Taifun "Haitang" in Taiwan
Der Taifun "Haitang" erreichte unterdessen am Montag Taiwan und löste ein Chaos in der Inselrepublik aus. Mehr als eine Million Haushalte wurden vom Strom abgeschnitten. Die Regierung schloss Schulen, Behörden sowie die Finanzmärkte und untersagte den Flugverkehr. Der Zugverkehr wurde eingestellt. 14 Menschen wurden verletzt.
Der Taifun erreichte Geschwindigkeiten von fast 270 Kilometern pro Stunde. Meteorologen zufolge soll der Sturm über Taiwan hinwegfegen und in Richtung chinesischer Küste weiterziehen.
Anstieg der Ölpreise
"Emily" hat am Montag an den Märkten die Ölpreise steigen lassen. Der Preis für ein Barrel der besonders hochwertigen Sorte Light Sweet Crude stieg bis zum Mittag um 24 Cents auf 58,33 Dollar, die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 34 Cents auf 57,95 Dollar.
Mit besonderem Interesse verfolgten die internationalen Ölmärkte die Lage auf dem riesigen Ölfeld Cantarell auf der Halbinsel Yucatan, dessen Zerstörung nach Angaben von Fachleuten zu einem Ausfall von rund 3 Prozent der weltweiten Ölproduktion führen würde.
Mit Material von dpa, AP, AFP