15. Dez 11:46
Extreme Hitze wird Regel in Europa
Die Überschwemmungsgefahr in
Bangladesch wird voraussichtlich zunehmen.
Foto: AP
Das Erdklima hat sich im vergangenen Jahrhundert erwärmt. Jetzt haben Forscher die Frage beantwortet, was am Klimawandel gefährlich ist.
Wissenschaftler haben zu erwartende Folgen der globalen Erwärmung abgeschätzt. Auf der Klimakonferenz in Buenos Aires berichteten sie am gestrigen Dienstag über regionale Auswirkungen des Klimawandels. Über die Ursachen des Phänomens herrscht bislang noch keine Übereinstimmung.
Konflikte werden verschärft
«Die globale Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius über den vorindustriellen Wert ist eine gefährliche Störung des Klimasystems», sagt Carlo Jaeger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Meeresspiegel könnte um mehrere Meter ansteigen. Die Erwärmung berge aber weitere große Risiken für Mensch und Umwelt.
Im jetzt präsentierten Bericht werden der mögliche Verlust menschlicher Kulturen, die Gefährdung der Wasser- und Nahrungsversorgung, das Aussterben von Arten und die Zerstörung von Ökosystemen genannt. Regionale politische Konflikte könnten verschärft und zahlreiche Menschen zu Umweltflüchtlingen werden.
Die Erwärmung könnte die Menge und den Zeitpunkt von Niederschlägen in Indien verändern, was die Nahrungsversorgung der Bevölkerung gefährdet. In Bangladesch nimmt die Gefahr von Überflutungen zu. Die Reisernte in China könnte um zehn bis zwanzig Prozent abnehmen, sagen die beteiligten Forscher.
Das Schmelzen von Gletschern in China, sie werden voraussichtlich noch in diesem Jahrhundert völlig abtauen, gefährdet die Wasserversorgung während der Trockenzeit. Im südamerikanischen Land Peru sind durch die Gletscherschmelze die Nahrungsversorgung und die Stromerzeugung gefährdet. 70 Prozent der elektrischen Energie werden dort in Wasserkraftwerken erzeugt. Im US-Bundesstaat Kalifornien könnte die Trinkwassermenge aufgrund abnehmender Schneefälle um 13 bis 30 Prozent abnehmen.
Strittige Ursache
Die Auswirkungen auf das Leben in Europa haben Forscher vom britischen Hadley Centre for Climate Prediction and Research abgeschätzt. Hitzewellen wie die des Sommers 2003 könnten innerhalb von 60 Jahren als «außergewöhnlich kühl» gelten, meldet der Onlinedienst der BBC. Die Wahrscheinlichkeit solcher Hitzewellen habe sich bereits heute verdoppelt.
«Während der Klimawandel wahrscheinlich schrittweise im Laufe des gesamten Jahrhunderts erfolgen wird, könnten sich einige Komponenten des Klimasystems abrupt verändern», heißt es in dem Bericht. Dazu gehören etwa Meeresströmungen, die warmes Wasser aus den Tropen nach Norden transportieren. Bleiben sie aus, würde sich die gesamte nördliche Hemisphäre abkühlen. Wie groß dieses Risiko ist, können die Forscher bislang allerdings nicht abschätzen.
Ein britisch-US-amerikanisches Forscherteam hat unterdessen in der Zeitschrift «Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics» eine These veröffentlicht, nach der die beobachtete Erwärmung des Erdklimas auf die Sonnenaktivität zurückzuführen ist. Nach ihrer Einschätzung beeinflussen Partikelströme, die die Sonne aussendet, die Wolkenbildung.
Dies könnte einen bedeutenden Teil der Erwärmung im vergangenen Jahrhundert erklären, aber nicht alles, sagen die Wissenschaftler. Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die die Mehrheit der Klimaforscher als Ursache der Erwärmung ansieht, habe demnach nur die Veränderungen bewirkt, die ihr Strahlen-Modell nicht erklären könne.
Für das Web ediert von Patrick Eickemeier