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23. Apr 12:01
EU-Osterweiterung birgt Gesundheitsrisiko





Gesundheitsexperten befürchten, dass sich nach dem Fall weiterer innereuropäischer Grenzen Infektionskrankheiten ausbreiten könnten.

Am ersten Mai werden zehn osteuropäische Staaten der Europäischen Union beitreten. Für die öffentliche Gesundheit stelle die Erweiterung eine Gefahr dar, sagen jetzt Experten.

Grundlegende Veränderungen

In der aktuellen Ausgabe des Magazins «The Lancet» diskutiert ein Autorenteam um Richard Coker von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Großbritannien welche Auswirkungen die Osterweiterung auf die EU habe. Zukünftig wird durch den Beitritt der osteuropäischen Staaten die EU-Grenze zu Russland verlängert. Neue Nachbarn der europäischen Staatengemeinschaft werden die Republik Weißrussland und die Ukraine.

In diesen drei Ländern haben Infektionskrankheiten wie Aids und Tuberkulose in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Autoren führen dies auf grundlegende kulturelle und sozioökonomische Veränderungen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zurück. Die Gesundheitssysteme dieser Länder seien nicht in der Lage, angemessen auf die Ausbreitung dieser Krankheiten zu reagieren. Coker und seine Kollegen fordern daher, die Überwachung und die Kontrolle ihres Auftretens nicht nur innerhalb der EU, sondern auch in diesen Ländern zu verbessern.

Häufigere HIV-Infektionen

Finanzielle Hilfen für die Gesundheitsbehörden der Beitrittsstaaten forderte am gestrigen Donnerstag Reinhard Kurth, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), auf der Wissenschafts-Pressekonferenz in Bonn. «Wenn wir die Medikamente nicht zu den Infizierten bringen, werden die Infizierten zu uns kommen», zitiert die Agentur AP Kurth. Einwanderer in die EU aus baltischen Staaten stellten bereits einen großen Teil der HIV- oder Tuberkulose-Infizierten.

Die zehn Beitrittsstaaten sind Zypern, Malta, Slowenien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Polen, Litauen, Lettland und Estland. In der Republik Estland sind nach Angaben von Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin etwa 500 von 100.000 Einwohnern mit dem Aids-auslösenden HI-Virus infiziert. In der Republik Lettland seien es 200 Fälle unter 100.000 Einwohnern, berichtet AP. In Deutschland waren nach Angaben des RKI Ende des Jahres 2002 39.000 Menschen HIV-positiv, dies entspricht einer Quote von etwa 50 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Kurzfristige Entwarnung

Mit Tuberkulose (TB) seien in Lettland 40 und in Litauen und Estland etwa 70 bis 80 von 100.000 Einwohnern infiziert. Etwa jeder zehnte der TB-Kranken in diesen Ländern ist mit resistenten Tuberkulose-Bakterien infiziert, bei denen mehrere Medikamente wirkungslos sind. In diesen Fällen ist die Behandlung schwieriger und um bis zu 100 mal teurer.

Kurzfristig werden die Öffnung der EU-Grenzen zu den neuen Mitgliedern keine wesentlich höheren Infektionsrisiken nach Westeuropa bringen, sagt Kurth, da zwischen den Ländern bereits lebhafter Reiseverkehr bestehe. Dies könnte sich jedoch bei einer Zunahme des Reiseverkehrs – auch in die EU-angrenzenden Länder – ändern. (nz)


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