15. Apr 13:16
Experten fürchten Terror-Angriff mit Atomraketen
Ende April treffen sich russische und amerikanische Atomexperten, um über die Gefahr eines Terrorangriffs mit Atomraketen zu beraten. Ihre Befürchtungen klingen, als stammten sie aus einem James-Bond-Film.
Bislang ist es undenkbar: Hacker dringen in das Computernetzwerk des Pentagon ein, gaukeln dem System vor, dass die USA angegriffen werden und lösen so einen vermeintlichen Gegenangriff aus. Experten gehen davon aus, dass ein solches Szenario nicht möglich ist doch die Verwundbarkeit des Atomwaffenarsenals ist bislang wenig untersucht.
Aus diesem Grund trifft sich Ende April erstmals eine Gruppe von Atomexperten der USA und Russlands in Moskau. Ihre Befürchtung: Terroristen, egal ob Tschetschenen oder Mitglieder des Netzwerks Al Qaeda, haben in den vergangenen Jahren immer professioneller Anschläge vorbereitet und ausgeführt.
David Albright, Physiker und Chef des Instituts für Internationale Sicherheit in Washington, sichtete nach dem Fall der Taliban Dokumente in Afghanistan, um das Atom-Know-How der Al Qaeda einzuschätzen. Er sagte der Zeitung «Christian Science Monitor», bislang sei Al Qaeda technisch nicht besonders bewandert. Allerdings lernten sie schnell dazu.
Verbindungen nach Tschetschenien
Vor allem die Kontakte zu anderen Terroristen und Atomexperten stellen seiner Ansicht nach zunehmend eine Gefahr dar. Die USA fürchten vor allem die Verbindungen der Al Qaeda zu tschetschenischen Terroristen. Bereits zweimal gelang es Tschetschenen in den vergangenen Jahren, radioaktives Material zu kaufen.
Ein Angriff mit einer schmutzigen Bombe, also einer mit Atommaterial versetzten konventionellen Bombe, scheint den Experten derzeit noch am wahrscheinlichsten. Eine Atombombe zu zünden, sei zumindest derzeit für die Terroristen zu kompliziert, sagt Jon Wolfstahl von der Stiftung für Internationale Friedenspolitik in Washington. «Es ist komplizierter, als einfach eine Alarmuhr zu nehmen und sie mit ein paar Drähten zu verbinden.» Man gehe aber davon aus, dass mit genügend Geld ausgestattete Gruppen langfristig durchaus in der Lage sein könnten, Atombomben zu bauen.
Computerangriff auf US-Netzwerke möglich
Als wahrscheinlich scheint den Experten derzeit auch der Angriff von Extremisten auf Computernetzwerke der US-Armee. Grund ist die dezentrale Struktur: So hat etwa das Pentagon über 10.000 lokale Computernetzwerke, etwa 1000 davon sind über größere Strecken miteinander verbunden. Potenzielle Angriffsstellen gibt es deshalb viele.
Bereits im Jahr 1997 bezahlte die amerikanische National Security Agency (NSA) eine Gruppe von Hackern, um die Verwundbarkeit amerikanischer Regierungsnetzwerke zu testen. Ihnen gelang es, in das System des Pentagon einzudringen. Zur Demonstration schalteten sie die Stromversorgung einiger Teile der US-Armee ab und legten Notruf-Einrichtungen lahm.
Abschussbefehl für Atomraketen
Sicherheitsexperten entdeckten wenig später eine Möglichkeit, von außen einen Abschussbefehl für Atomraketen auf U-Booten einzugeben. Dazu mussten Hacker lediglich in das Computersystem der Navy eindringen.
Ende der 90er Jahre beschäftigte sich schließlich auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mit dem Problem. Ein IAEA-Mitarbeiter in Wien sagte dem «Christian Science Monitor», man sei sich inzwischen im klaren, dass es ein Problem gebe, dass auch die atomare Sicherheit betreffe.
Lediglich auf russischer Seite sieht man das gelassener. Die Computersysteme, mit denen amerikanische Atomraketen gesichert und gesteuert werden, stammen großteils aus den 50er und 60er Jahren. Passwörter werden teilweise noch mit Lochkarten eingegeben. Computerexperten sind heute kaum noch in der Lage, diese Systeme zu bedienen geschweige denn, von außen. (nz)